Kritik 6-Zylinder: ".singen" vom 15.6.2003 aus dem General-Anzeiger Bonn: Männersextett im Münsteraner Nachtleben "6-Zylinder" steht für grandioses Vokal-Entertainment, perfekt inszeniert, mit hintergründiger Komik - Mit neuem Programm im Bonner Pantheon Von Mathias Nofze Bonn. Zu Beginn hört man im abgedunkelten Pantheon nur lang gehaltene Töne, von sechs unsichtbaren, umherwandernden Sängern durch den Raum getragen. Es scheint, als will das Ensemble der "6-Zylinder" an die Grundlagen von Vokalkunst überhaupt erinnern - Stimme, Ton, Klang. Schließlich heißt das neue Programm, mit dem das Männersextett beim A-cappella-Festival im Pantheon zu Gast ist, schlicht "Singen". Was die Sechs dann folgen lassen, ist alles andere als schlicht, sondern grandioses Vokal-Entertainment, perfekt inszeniert, mit wohlkalkuliertem Understatement und hintergründiger Komik, alles getragen von einer feinen, nuancenreichen Gesangs- und Ensemblekultur. Selbst raffinierteste Arrangements schweben da zart und duftig zum Publikum herüber. Die häufig dominierenden Höhenflüge des Falsett-Soprans von Tilo Beckmann und der sanfte, aber doch markante Bass von Henrik Leidreiter rahmen das Klangbild ein. Nicolas Leibel liefert, wenn nötig, sogar melancholischen Belcanto-Schmelz, Thomas Michaelis, Winne Voget und Jos Gerritschen decken warmtönend die Mittellage ab. Der launige Abend wird zur Rundreise durch verschiedene Stile und Zeiten, burleske Szenen inbegriffen. Nach einem als Renaissance-Stilkopie daherkommenden Willkommensgruß erklingt das Chanson "Chante, oui, chante" mit dezentem Vokalschlagzeug vom Bassisten, und bei Georg Kreisler "Tauben vergiften im Park" pustet man gleichsam ein wenig Arsen in die erste Reihe. Die Eigenkomposition "Nachtbus" lenkt mit geschmeidigem Bonbon-Sound die Aufmerksamkeit auf das Nachtleben in Münster, ein wahrer Zungenbrecher ist der musikalische Streit darüber, ob die schönsten Mädchen im Limousin oder in der Auvergne zu finden sind. Ob irische Folklore, jazziger Scatgesang, die - auf Holländisch gesungene - Ballade über eine Dirne, der zu einer urkomischen Polonaise umfunktionierte Song vom "Flat Foot", Szenen wie "Fußball-Gucken" oder das groteske "I bin a stiller Zecher": Die Wandlungsfähigkeit der 6-Zylinder ist enorm. Glänzend, wie der Witz langsam ins Absurde umschlägt. Umjubeltes Beispiel: der Bee-Gees-Hit "Staying Alive". Nach vielen Zugaben schließlich das Ende: Winne Voget tritt allein auf die Bühne, summt "Amazing Grace", beim zweiten Mal summt das Publikum mit, beim dritten Mal sitzen alle sechs Zylinder auf der Bühne und lauschen dem summenden Pantheon. Voget ist begeistert: "Sehen Sie, das ist Singen." (13.06.2003) |
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