Kritik EMIL STEINBERGER
liest und erzählt
vom 12.4.02 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Wahre Lügengeschichten oder Alles nur Schokolade

Der Kabarettist Emil Steinberger und die philosophischen Probleme des Alltags im Bonner Metropol

Von Stefan Barz

Bonn. "Gruezi mitenand!" sind die ersten Worte des mittlerweile etwas grau gewordenen Herren, und wie ein Echo erschallt es im Chor zurück: "Hallo, Emil!". Die Kultfigur Emil ist wieder da, und auch nach vorübergehender Flucht ins New Yorker "Exil" hat der Schweizer Emil Steinberger seine Anhängerschaft nicht verloren. Im Metropol-Theater las er aus seinen Büchern "Wahre Lügengeschichten" und "Emil via New York".
Auch wenn zwei Bücher einen abendfüllenden Stoff für seinen Auftritt bieten würden, waren die Lesungen Nebensache. Emils eigentliches Metier sind seine kurzweiligen Gedankengänge über philosophische Probleme des Alltags - zum Beispiel, warum Bücher eigentlich so konstruiert sind, dass man den Buchdeckel mit der linken Hand aufschlägt, obwohl es doch mehr Rechtshänder gibt. Und welche vielfältige Bedeutung sich hinter dem Wörtchen "so" verbirgt. Seine wahre Stärke kommt nicht in den Büchern, sondern auf der Bühne zum Vorschein.
Die "Lügengeschichten" - von denen tatsächlich nur sechs frei erfunden sind, wie er versichert - beschreiben alltägliche Situationen aus dem Prominentenleben, jedoch ohne besondere Pointe. Wirklich komisch wirken die Geschichten erst, wenn sie in Emils schweizerischem Dialekt vorgetragen werden. Erst dann kann man sich vorstellen, dass es nicht irgendwer ist, sondern eben Emil, der ein Rezept für Apfelröstli ins Gästebuch eines Restaurants schreibt.
Und nur durch Emils Vortragskunst wird die Anekdote lebendig, in der er sein Betthupferl im Hotelbett übersieht, am nächsten Morgen in braungefleckter Bettwäsche aufwacht und für das Zimmermädchen die Nachricht "Alles nur Schokolade!" hinterlässt. Seinen Charme hat Emil Steinberger auch mit nunmehr 69 Jahren nicht verloren. Und auch seine lausbubenhafte Frechheit nicht, wenn er die letzte Geschichte im entscheidenden Moment abbricht mit den Worten: "Ich finde es viel spannender, wenn Sie die Geschichte zuhause zuende lesen."
 
(11.04.2002)

Kritik EMIL STEINBERGER
liest und erzählt
vom 13.4.02 aus der Bonner Rundschau

Emils warme Dusche

Lesung im Metropol

Von Antje Stilger

Angenehm entspannt lehnen sich die Zuschauer im großen Haus des Metropols in ihre roten Plüschsessel zurück und lauschen den Geschichten des schweizerischen Autors und Kabarettisten Emil Steinberger. Mit dem ihm eigenen Dialekt trägt der "Brettl-Klassiker" Steinberger aus seinen beiden Büchern"Emil via New York" und "Wahre Lügengeschichten" vor und gibt zwischendrin immer wieder witzige und heitere Anekdoten zum Besten.
Rund 650 Köpfe blicken auf de Bühne und beobachten genau, was sich "da vorne" so tut. Streng genommen eigentlich gar nicht so viel. Seriös sitzt der grauhaarige Autor an seinem Tisch erzählt und liest, liest und erzählt. Doch das reicht schon, um das Publikum zu entspannen, zu unterhalten und zu beeindrucken. Wohlig räkeln sich die Zuschauer unter der warmen Wortdusche des Autors - fast ist es ein bisschen so wie beim Friseur, wenn das Haar gewaschen wird und der Kopf massiert wird
Locker plaudert Steinberger aus dem Nähkästchen, erzählt vom "Glück im Handgepäck" von "Emils Apfelsröstis" und den Widrigkeiten der deutschen Sprache. Wunderbar seine Geschichten aus dem schnelllebigen New York, wo der Autor selbst sechs Jahre verbrachte. Aber, so beruhigt Steinberger die Zuschauer, "Big Apple" ist auch nur ein Dorf. In kürzester Zeit lernt man nämlich den Bäcker, die Barmaid und den Kioskverkäufer kennen und muß selbst beim Kopierangestellten nichts zahlen.
Große Gags, bissige gemeinheiten oder böse Spitzfindigkeiten, die stehen bei Emil Steinberger nicht auf dem Programm und die sucht der Zuschauer vergeblich. Stattdessen liegt der Witz des Autors im Detail, in den Tücken des Alltags und in Geschichten die jeder kennt, aus Rstaurants oder Bahnabteilen. Ach, es war einfach nett.
 
(13.04.2002)

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