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Kritik HANNELORE HOGER liest E.A. Poe
"Geschichten des Grauens
vom 14.11.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:
Bella kann auch ganz anders
Wer den schwarzen Kater quält - Die Fernseh-Kommissarin Hannelore Hoger liest Geschichten von Edgar Allen Poe im Bonner Pantheon
Von Susanne Haase-Mühlbauer
Bonn. Es ist düster um ihn herum. Bei seinem Anblick möchte man erschaudern. Doch aus der sicheren Distanz gibt er die Gelegenheit der genauen Betrachtung seines linkisch-unheimlichen Wesens. Und mit einer wohligen Gänsehaut genießt man die Faszination des Grauens, ja entdeckt hier sogar an sich selber makabre Momente des Schmunzelns.
Der "Gnom" - eines der "Bilder einer Ausstellung", die Modest Mussorgsky als Zyklus vertonte - hat vieles gemein mit den Kurzgeschichten von Edgar Allen Poe. Und das machte ihn zum klingenden Gesellen der "Geschichten des Grauens", mit denen die Schauspielerin Hannelore Hoger jetzt einen Abend im Pantheon als Vorleserin zu erleben war.
Der Pianist Siegfried Gerlich gab mit seinen fingerfertigen "Erzählungen" von Mussorgsky und Debussy dabei den passenden Nachhall für die drei Geschichten aus der Feder Poes: "Das verräterische Herz", "Das vorzeitige Begräbnis" und "Der schwarze Kater". Die Abgründe der menschlichen Seele kommen hier in dem kaltblütigen Mord eines Greisen, der kalten Angst vor dem Lebendig-Begrabensein und einer perversen Tierquälerei zum Ausdruck.
Die erfolgreiche Schauspielerin Hoger, die den Grimme-Preis für ihre Darstellung der Fernseh-Kommissarin Bella Block erhielt, wusste hier ihre Stimme ganz in den Dienst der Texte einzubringen. Ihre eigene Person schien im Kerzenschein, hinter der Lesebrille ganz zu verblassen - bereits nach wenigen Sätzen war es ihr gelungen, den Zuhörer in die Welt Poe hineinzuziehen. Keine übertriebene Textausdeutung, kein distanzierendes Naserümpfen - Hoger wandelte schwindelfrei auf dem Hochseil zwischen makabrer Autorenaussage und Distanz der Vorleserin.
Scheinbar selbstverständlich wurde sie dem Postulat der Texte gerecht. Die forderten mal die Stimme des Gewissens, mal den Ausdruck eines aufflackernden Anflugs moralischen Empfindens und gaben auch dem schockierenden Bekenntnis mörderischer Gedanken laute Töne. Die makabre Selbst-Distanz etwa, mit der ein Mörder seine eigene Verrücktheit zu widerlegen versucht, war da nur eine Glanzleistung, die Hoger stimmlich umzusetzen wusste. Und dass sie auch die Stimme für milde Töne hat, zeigte sie bei ihrem Chanson-Vortrag: mit "La vie en rose".
(13.11.2001)
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