Kritik ATZE SCHRöDER
"Meisterwerke"
vom 24.8.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Ein Proll zum Liebhaben

Atze Schröder zu Gast im Bonner Pantheon

Von Stefan Barz

Bonn. Als "Botschafter der Liebe" wird er angekündigt, und begleitet von Heavy-Metal-Klängen tritt der blonde Lockenkopf im bekannten geschmacklosen Outfit auf die Bühne: Atze Schröder ist wieder da, und diesmal will er im Pantheon mit Proleten-Mentalität über Meisterwerke der Schöpfung philosophieren: "War schon geil drauf, die Evolution damals", bringt Atze das Wunder des Lebens gleich zu Beginn auf den Punkt.

Denn, so Atze, wer hätte vor einigen Milliarden Jahren gedacht, dass aus Schutt und Gestein mal "so ein geiler Schuppen wie die Welt" entsteht? Und für das Wunder des neugeborenen Lebens hat Atze auch gleich ein paar innovative Tipps parat: Die Nabelschnur solle man doch dranlassen, so komme das Kind wenigstens nicht weg.

Wer den Comedy-Aufsteiger kennt, weiß, dass Atze Schröder kein Mann für ein geordnetes Programm ist. Es war zu erwarten, dass sich Atze auch in der Premiere seiner "Meisterwerke" von eben diesen bald immer weiter entfernt, ohne Hoffnung auf einen Weg zurück zum roten Faden. Doch das weiß er selbst mit einer gehörigen Portion Selbstironie zu überspielen, indem er zwischendurch auf die Uhr schaut und sagt: "Ich weiß ja selber nicht, wie lange das heute hier dauert."

Auch verwundert es eingefleischte Atze-Fans nicht, wenn es keine fünf Minuten dauert bis zu den ersten Exkursen in die unteren Körperregionen. Aber zum Glück findet er hin und wieder den Weg wieder nach oben und zeigt, dass seine Gags nicht einfach nur platt sind: Atze Schröder ist auch ein hervorragender Beobachter des alltäglichen Wahnsinns und erntet viel Gebrüll, wenn er imitiert, wie eine junge Mutter ihrem renitenten Sprössling auf dem Spielplatz ganze 150 Mal droht: "Cedrik, die Mutti geht jetzt nach Hause".

Dem Comedy-Star reichen wenige Themen, um eine zweistündige Show zu bestreiten - darunter auch so mancher Mainstream-Gag über Jenny Elvers und "Wer wird Millionär", der statt Überraschungen wohl nur Déjà-vu-Erlebnisse hervorruft.

Aber mit Anekdoten vom "Tanz ab 30", Vorschlägen zur Kindererziehung und Gitarren Sessions zeigt sich Atze als echtes Bühnen-Tier, das man trotz seiner prolligen Art einfach lieb haben muss - und gar nicht mehr von der Bühne lassen möchte: Nach seinem Abgang wurde Atze noch drei Mal zurückgerufen.


(24.08.2001)

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