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MARTINA BRANDL
mit "Nur keine Angst " 22.-24.4.2000 im Pantheon
Kritik vom 25.4.2000 aus dem Bonner General-Anzeiger:
"Zicke ist für mich ein Kompliment"
Die Berliner Chansonette Martina Brandl zeigt im Pantheon Biss und Poesie
Von Susanne Haase-Mühlbauer
Bonn. Das angekündigte Programm "Kommen müssen sie selbst" kam zwar nicht, aber dafür ein anderes: "Nur keine Angst" hieß der mehr als bezeichnende Titelsong der Martina Brandl, der zur
Eröffnung ihres Auftritts im Pantheon ihre charakterlichen Widersinnigkeiten in Töne fasste. "Zicke ist für mich ein Kompliment", bekannte sich hier die Berliner Chansonette zu ihrer bissigen Ader. Schon ein paar Sätze weiter gibt sie aber zu bedenken, dass die Wahrheit ihres Wesens ja doch vielleicht anders sei - sensibel, einfühlsam und mütterlich. Aber eben nur vielleicht. Tatsächlich treffen beide Pole ihrer Selbstbeschreibung ins Schwarze - zwischen Poesie und Biss, Sanftheit und Satire. Am Flügel begleitet wurde sie dabei von Martin Rosengarten.
Man durfte sich getrost auf das Wechselbad der Stimmungen einlassen, denn auch die Sprünge dazwischen meistert Brandl - mal ganz Diseuse, mal eher Göre - ohne abzustürzen. Auch französische Spracheigenheiten weiß sie in einem verführerisch-koketten Chanson zu persiflieren und Katalanisch singt die Berlinerin, die 1999 mit dem Kritikerpreis der Berliner Zeitung und ein Jahr zuvor mit dem Prix Pantheon gekürt wurde, dann ohne Klavierbegleitung. Ohne Übersetzung wäre auch diese Melodie, die sie ihrem Publikum quasi als Memorandum mit "in die Pause" reichte, poetisch geblieben.
Doch die deutsche Version war enttarnend unpoetisch. Die reichte tatsächlich nur - wie beabsichtigt -
"für die Toilettenschlange".
(24.04.2000)
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