Kritik ANDREAS GIEBEL + GEORG SCHRAMM
mit "Störtebeker" 4.-8.4.2000 im Pantheon
vom 6.4.2000 aus dem General-Anzeiger:


Männer, nicht mehr ganz jung und tief in der Krise

Giebel und Schramm im Pantheon

Von Lorenz Storch

Bonn. Was Andreas Giebel und Georg Schramm auf die Bühne des Pantheons bringen, ist nicht einfach nur ein klassisches Nummernkabarett. "Eine Posse, wild und grotesk", lautet das Etikett, welches die beiden Schauspieler selbst für ihr Programm gefunden haben. Und damit liegen sie ganz gut.

"Störtebeker" gehört irgendwo in die Grauzone zwischen Kabarett und Theater. Es gibt nicht in jeder Minute etwas zum Lachen, statt dessen ist die ganze Sache eigentlich sogar ziemlich tragisch. Die Zuschauer müssen ein wenig Geduld haben, bevor die teilweise wirklich ziemlich grotesken Versatzstücke des Abends zusammen ein Bild ergeben, das von Freiheit, Scheitern und dem großen "Konzept" im Leben handelt. Das Programm lebt von den skurrilen Figuren, die Giebel und Schramm auf die Bühne bringen - alles Männer, nicht mehr ganz jung und tief in der Krise.

Der Ort der Handlung ist das Wirtshaus "Störtebeker" in Schergassing, tiefstes Niederbayern. Hier gibt es Schnaps, aber nichts zu essen, einen ruppigen Wirt und überaus merkwürdige Gäste. Eine ideale Bühne für Menschen mit einem Knacks. Den Dorferfinder Kloppstock zum Beispiel, der gescheit daherredet und alles kaputt macht, oder Pepi, der so gerne mal ein Polit-Kabarett machen würde.

Im Kern aber geht es um die entstehende Männerfreundschaft zwischen dem urbayerischen Wirt Alois und seinem penetrant preußischen Gast Fred, der Manager-Allüren zur Schau stellt, aber letztlich auch nur ein Versager ist. Ein reizvolles Gespann, das den beiden Schauspielern auf den Leib geschrieben ist. Der Münchner Andreas Giebel wirkt in Duktus und Gestalt mindestens so bajuwarisch wie seinerzeit Franz Josef Strauß. Georg Schramm dagegen kultiviert die Hochsprache, aber im Lauf des Abends fällt die Fassade des untadeligen Geschäftsmanns Stück für Stück von ihm ab. Zum Schluss steht er sogar in Strapsen und Tanga-Slip da, was den Frauen im Publikum anerkennende Ooohs entlockte.

Zum Höhepunkt des Programms wurde das kurze "Stück im Stück", als Giebel und Schramm im ergreifenden Störtebeker-Drama "Freibeuter der Neuzeit" in fünf Rollen gleichzeitig schlüpften, mit virtuellen Säbeln fochten und gleichzeitig noch das ein oder andere Bonmot zum Besten gaben. Ein sehenswerter Abend der ungewöhnlicheren Sorte.

Weitere Aufführungen: Am Donnerstag, 6. April, sowie am Freitag und Samstag, 7. und 8. April,
jeweils um 20 Uhr. Karten unter (02 28) 21 25 21

(05.04.2000)

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