GÖTTERFUNKEN KLEINKUNSTREVUE
mit Rainer Pause, Helmut Schleich, Nessi Tausendschön, Bodo Wartke,
Rolf Miller und die Scheinheiligen 29.10.2000 im Pantheon
Kritik vom 12.12.2000 aus dem General-Anzeiger:


Eine Frau träumt vom Neandertaler

Die Kabarettrevue "Götterfunken" und Sylvia Anders im Bonner Pantheon

Von Evelyn Stolberg

Bonn. Die Kabarettrevue "Götterfunken", moderiert von Rainer Pause und Helmut Schleich, zeigte sich auch am zweiten Adventswochenende von ihrer besten Seite: nur die absoluten Highligths von jeweils wechselnden Vertretern der Kleinkunst wurden präsentiert, in einem abwechslungsreichen Mix aus Chansons, Musiksatire und Wortakrobatik. Den Anfang bestritten "Die Scheinheiligen" (Volker Diefes und Christian Ehring) mit einer grandios gespielten Persiflage einer Religionsfachmesse namens "Intergott". "Kein frommer Wunsch bleibt hier unerfüllt, jeder bekommt seinen individuellen Mystikmix. Schließlich will ich so glauben, wie ich bin", erklärten die Künstler, indem sie abgebrühte Geschäftsleute mimten, die den labilen Menschen ihre Wünsche - gegen Bezahlung - auch nach Hause liefern.

Bodo Wartke, der sich selbst als Klavierkabarettis in Reimkultur bezeichnet, kam mit einer wohlig warmen Stimme und dem Motto: "Ich denke, also sing ich" daher. Goethes Heidenröslein wurde von ihm kurzerhand in eine Rock-Version verwandelt oder ein Denkmal poetisch in einem melancholisch-heiteren Lied personifiziert. Absoluter Höhepunkt beim Publikum war jedoch sein Liebeslied: in diversen Sprachen drückte er aus, was er für die Frau, die er liebt, tun würde, um sich am Ende doch nicht festzulegen: neben einem pathetischen Ende lieferte er ein zweites, diesmal rationales, bei dem er nicht für seine Angebetete bis ans Ende der Welt gehen würde -schließlich könnte sie ja auch zu ihm kommen. Denn wer soll so eine Reise schon bezahlen können?

Rolf Miller aus dem Odenwald versuchte sich in einer Nummer, die man nicht gerade als neu bezeichnen kann: als biederer Prolet redete er um den heißen Brei herum und beendete seine Sätze erst nach zahlreichen Ansätzen, oder eben nicht. Sein "Ja und dann passierte - na Dings eben, ja, genau", bei dem beim Publikum wohl Spannung erzeugt werden sollte, fruchtete nur in den ersten Minuten, war jedoch nicht abendfüllend.

Nessie Tausendschön, die "Quotenfrau" des Abends, präsentierte ein poetisches Chanson-Varieté mit ihrer durchdringenden Stimme. In ihrem roten, hautengen Samtkleid persiflierte sie die altbekannte Szene der Diva, die sich lasziv auf dem Klavier räkelt und mit dem Klavierspieler (Uwe Rössler) flirtet. Auch an der modernen Kunst ließ sie kein gutes Haar: "Kunst heißt Kunst, weil man sie kann. Wenn man sie wollen würde, hieße sie ja Wunst. Aber vielleicht mache ich ja Wunst", quäkte sie schrill ins Mikrofon. Soll sie ihre musikalischen Einlagen nennen, wie sie will: die "Wunst" von Nessie Tausendschön und die Kunst der weiteren Vertreter der Götterrevue war alles in allem temporeich, witzig, aber vor allem unterhaltsam.

Die nächsten "Götterfunken", diesmal mit Hertha Schwatzig, Jochen Malmsheimer, Hans-Günter Butzko sowie Martin Puntigam kommen im März nächsten Jahres auf die Bühne des Pantheon.

(12.12.2000)

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