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Kritik JESS JOCHIMSEN
mit "Friss, vögel oder stirb!" 15.-18.3.2000 im Pantheon
vom 18.3.2000 aus dem Express:
Hier lacht die Kevin-Generation
Jess: Urkomisch
Von ALEXANDER BOECKER
exp Bonn - Jess Jochimsen hatte es nicht leicht. Seine Eltern:
Bayerische 68er - so was gibts eigentlich gar nicht! Zu Karneval musste
er als Ghandi gehen, im Krippenspiel war er der Esel. Und seine eigene
Generation, die Kevins, hat er sowieso noch nie verstanden.
Jetzt endlich kann er sich rächen. Der Gewinner des Prix Pantheon auf
der Bühne: Vielleicht das Beste, was das deutsche Kabarett derzeit zu
bieten hat.
Am liebsten wollte er ja immer Winnetou sein. Mit seinem Bonanza-Rad
zum Bäcker sausen und von dem Bleichgesicht Brot für seine Familie
erpressen.
Die war recht furchtbar: Die Hippie-Eltern liefen nackt durch die Wohnung,
ernährten Klein-Jess nur mit Körnern und vergaßen auch noch seine
Einschulung. Das gibt genug Stoff für urkomische Geschichten, die auch
die Pantheon-Zuschauer zurück in die eigene Kindheit trugen.
Das Publikum stand Kopf, Jochimsen war noch komischer, noch
routinierter als beim Prix Pantheon.
Meine Generation ist ja die erste, die von den Eltern scheiße gefunden
wird, weil sie so ist wie die Großeltern, formulierte der 29-Jährige
grandios und stellte fast beiläufig die Existenzfrage: Haben Sie mit Geha
oder mit Pelikan geschrieben?
Seien wir ehrlich: Pelikan war was für die Turnbeutelvergesser!
Ganz hinterrücks zückte der Kabarettist die politische Karte, sprach von
ethnischen Stoiberungen und lächelte subtil: Die Reise nach Jerusalem
- ein Spiel, das in Deutschland schon immer gern gespielt wurde.
Der erhobene Zeigefinger liegt ihm nicht, nur ein paar kleine Sticheleien
in Richtung Politik. Ich habe die Generation meiner Eltern an die
Regierung gewählt - dümmer gehts nimmer!
Auch mit seinen eigenen Zeitgenossen hat der Freiburger
Verständigungs-Probleme. Jochimsen mockierte sich so urkomisch über
tiefergelegte Hosen und abstrus hohe Turnschuhe mit offenen Senkeln
- da spielte es keine Rolle, dass dies nicht wirklich die Generation des
29-Jährigen ist. Ein Glanzstück in Jochimsens Programm Friss, vögel
oder stirb!: In grünes Licht getaucht mimte der Kabarettist einen völlig
humorlosen Frosch. Brillant!
Jess Jochimsen: kein modischer, dauerblödelnder Comedy-Plapperer,
sondern ein brillanter Entertainer. Mit Niveau, aber nicht intellektuell. Die
Pantheon-Entdeckung hat den Sprung in die erste Liga geschafft.
Unzufrieden verließ keiner das Pantheon. Nicht mal die, die in der Schule
mit einem Pelikan-Füller geschrieben haben.
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