Kritik MAX GOLDT
liest Texte aus den Jahren 90 - 96
vom 20.6.2000 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Quälgeister in den Schrank

Max Goldts Texte aus den Jahren 1990-1996 besitzen unverwechselbaren Stil - Lesung im
Bonner Pantheon

Von Wolfgang Schlüter

Bonn. Best-Of-Programme haben ihre Tücken. Wie oft müssen wir gnädig die Augen verschließen, wenn ein Künstler den Beweis führen will, dass seine Finger den absteigenden Ast noch festhalten können. Nicht so Max Goldt. Seine Texte "aus den Jahren 1990-1996" haben einen Stil gewonnen, der unverwechselbar ist und doch frei von jedem Manierismus. Originell, skurril die quirlig-verstiegenen Geschichtchen.

Hermetisch und offen zugleich durchwandern sie alle Ebenen, um auf mysteriöse Weise dort anzukommen, wo sie ihren Anfang nahmen. Kunst, ein Synonym für Leichtigkeit. Vorgaben lacht sie ins Gesicht. Schon der erste Text - aus dem Jahr 1989 - spottet der zeitlichen Grenzziehung des Programms: "Wie gut, dass ich ein Künstler bin." Dessen Freiheit erschließt der Vergleich. Darf ein Lehrer Quälgeister in den Wandschrank sperren, "um die kleinen Hoffnungsträger verdursten" zu lassen? Natürlich nicht. Glauben wir einem Richter, der auf die Gefängnistür schriebe, sein Urteil sei "gerecht"? Niemals.

Unwidersprochen nur der Künstler, der die alte Tür mit Farbe beschmiert und erklärt - Kunst. Das Pantheon dankte es mit Happening-Atmosphäre.

(19.06.2000)

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