PINK PUNK PANTHEON
die kabarettistische Karnevalsrevue
Kritik vom 11.1.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Wenn die BSE-Kuh zum Moorhuhn wird

Rheinische Leitkultur für alle: Bei Pink Punk Pantheon
2001 in Bonn servieren die Sitzungspräsidenten ihren
Gästen Kölsch, Berliner und ein Rinder-Wahnsinns-Potpüree

Von René W. Dausner

Bonn. Litzmann und Schwaderlappen - die Namen stehen für
die Leitfiguren des freien kritischen Karnevalsvereins "1.
FKK Bn eV. Rhenania 1983". Alljährlich legen die beiden
ihren ureigenen Rechenschaftsbericht vor und bestätigen
sich selbst im Amt als Präsidiumsmitglieder, um das
Publikum durch den "Pink Punk Pantheon" zu führen. Denn:
Wer sollte ihnen das Wasser reichen, solange sie selbst
nach Kölsch und Hochprozentigem greifen können. Und wer
könnte sie schlagen, wenn sie es nicht selbst täten. Wir,
die Zuschauer, zeigen Herz, wie Politiker es von
couragierten Bürgern erwarten, und sehen hin - und sehen
ein Schauspiel der Schlag-Fertigkeiten.


Lederhosen-Blues: Norbert Alich, Jean Faure und [3521-1]
Rainer Pause in Aktion Foto: Horst Müller
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Während auf der Bühne das Thema BSE immer wieder
auftaucht, tauchen in Berlin die verantwortlichen Minister
für Gesundheit und Landwirtschaft ab und treten zurück;
"zurück ins Glied", wie es neuerdings auch Frauen lernen
dürfen. Tabus gibt es keine, dafür umso mehr Humor und
Zynismus. Die Botschaft, oder besser: das Leitbild von
Pink Punk Pantheon ist im Jahr 2001 einfach und
brandaktuell; es lautet schlicht "Rheinische Leitkultur
für alle!" Oder noch präziser: "Kölsch für alle!"

Wenn Harald Juhnke alias Herrmann Schwaderlappen als
Berliner in Bonn einen Gastauftritt hat, wirkt er in
seinem alkoholisierten Zustand nicht fremder als die
ständig trinkenden Sitzungspräsidenten. In Berlin
hingegen, der neuen Hauptstadt, findet man Drogensüchtige
und koksende Bundestagsjunkies auf den Toiletten.
Bonn/Berlin und Alkohol/Drogen - zwei leitmotivisch
wiederkehrende Oppositionspaare, neben denen vor allem das
Verhältnis der deutschen "Light-Kultur" zu anderen
Kulturen aufs Korn genommen wird.

Kabarettistisch-krass wird die deutsche Vergangenheit
stets wachgerufen. Auch und vor allem gegen eine Leni
Riefenstahl (Karin Krömer), die in Hitler einen "Künstler"
sieht und bedauert, dass es Big Brother damals noch nicht
gegeben hat. Und spätestens, wenn sie fortfährt,
"Container, aus denen keiner rauskam, hatten wir nicht",
erstickt das Lachen im Rachen.

Big Brother ist Kennzeichen für einen anderen großen
Bereich unserer Light-Kultur: den geschmacklosen Genuss
der Langeweile. Uwe Kania spielt drei Figuren dieses
Typus: einen Langzeithumorlosen, der mit 40 Jahren
humorlos geworden ist und nun nichts mehr zu lachen hat;
einen Biobauern, der eine BSE-Kuh als Moorhuhn verkaufen
will, und - zusammen mit Ruth Helm und Gabi Busch - eine
Indio-Band. Dieses Fußgängerzonen-Trio ist der Running Gag
des Abends: ein Witz zum Weglaufen.

Sehr kurzweilig hingegen vertritt Gernot Voltz als
Geländewagenfahrer die Lobby aller Benzin-Sünder, die für
100 Kilometer gut und gerne 38 Liter Super verbrauchen, in
der Stadt natürlich mehr. Voltz spielt außerdem einen
CDU-Mann, der von Skins in der U-Bahn zusammengeschlagen
wird, weil er sich für die närrische Zeit als Roberto
Blanco verkleidet hat. Absoluter Knall- und Höhepunkt des
PPP (mit Leisetretern hat dieses Ensemble nichts gemein)
ist das "Rinder-Wahnsinns-Potpüree" des alles überragenden
und ungeschlagenen Duos Herrmann Schwaderlappen und Fritz
Litzmann, mit bürgerlichem Namen Norbert Alich und Rainer
Pause.

(10.01.2001)

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