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Kritik GERHARD POLT + BIERMÖSL BLOSN
(veranstaltet vom PANTHEON im Brückenforum am 10.2.2000)
vom 12.2. aus dem Bonner General Anzeiger:
Grüße aus der Provinz: Unter der Trachtenjacke tobt
die Anarchie
Polt und die Biermösl Blosn im Brückenforum
Von Wolfgang Schlüter
Beuel. Glückliches Bayern. "München leuchtet", das weiß man, doch dass unter weiß-blauem Himmel
auch noch das Schwarze schillert, das ist nicht gerecht. Den Himmel kann man leider nicht auf
Reisen schicken, Gerhard Polt und die Biermösl Blosn schon. Biermösl Blosn, das sind die Brüder
Hans, Stofferl und Michael Well, Virtuosen des Alphorns und Hackbretts, der Posaune,
Bachtrompete, Harfe und so weiter. Wie lieb die im ausverkauften Brückenforum ausschauen, diese
Wölfe im Schafspelz, doch sie blasen und blasen - wie der Wolf im Märchen -, bis jeder Falsch
gewichen.
Und Polt? Polt ist natürlich Polt und schon im Sitzen eine Wucht. Spielen die anderen ihre Ländler
von der schaurig-schönen Provinz, wirkt Polt in seiner Trachtenjacke fast teilnahmslos, wäre da nicht
ein ganz inwendiges, süffisantes, vor Hintergedanken fast platzendes Grinsen. Das vom Pantheon
präsentierte Programm braucht kein Thema. Das "Thema" sind Biermösl Blosn und Gerhard Polt
selbst, eine ganz spezielle, "südliche" Form des Kabaretts, in einem Idiom, in dem die "R"s rollen,
Verschlusslaute wie Peitschenhiebe knallen und das "S" böse zischt.
Nie belehrend oder moralisierend, nie `rankumpelnd, ist ihr Denken assoziativ, kommt am liebsten um
die Ecke, mäandert frei mal hierhin, mal dorthin, oder kreist Schwindel erregend um einen einzigen
Gedanken: pure Anarchie. Nie wurde der immer erreichbare Handyman sarkastischer bestraft. Am
Berg das Seil verfehlend wählt er letztmals die Bergwacht, doch es heißt nur "Please, hold the line".
Schließlich dann noch Polts Tanzeinlage zum Folk-Afro-Beat-Crossover. Hüftschwingend und
singend tänzelt er als Mischung aus Nelson Mandela und Balu langsam davon. Da Capo!
(11.02.2000)
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