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Prix Pantheon 2000
German Spass- und Satire-Open
Artikel vom 5.5.2000 aus dem Bonner Express:
Kabarett-Marathon: Jury-Preis für Alf Poier
Krasser Ösi räumt bei Prix Pantheon ab
Von ALEXANDER BOECKER
exp Bonn Jux-Lieder gegen Gedichte, Kalauer gegen Polit-Witze: Der von EXPRESS präsentierte Prix Pantheon 2000. Weltspaßkampftag der Satire, wie Moderator Rainer Pause ihn nennt. Zwölf Kandidaten im Wettstreit um die begehrteste Kabarett-Auszeichnung des Rheinlandes. Kurz: ein zweitägiger Schusswechsel der Pointen.
Der Sturm brach um genau 20 Uhr über das Pantheon-Publikum hinein. Gemütlich räkelten sich die Gäste auf den Stühlen, da betrat der schlaksige Österreicher Alf Poier die Bühne und brannte ein derart schnelles und skurriles Gag-Feuerwerk ab, dass dem Publikum kaum Zeit zum Atmen blieb.
Dumpf murmelnd schlug er auf eine Vogel-Attrappe, präsentierte seine seltsamen Strich-Zeichnungen (Das ist ein begradigter Buckelwal mit Fußgängerüberweg) und offenbarte noch seltsamere philosophische Lehren:
Erleuchtung ist, wenn ein Fuß zum andern sagt: Komm mit, zusammen sind wir schneller. Anarchisch, absurd und einfach ganz anders. Pointen wie von einem anderen Stern urteilte auch die Jury und verlieh dem von EXPRESS nominierten Alf Poier den Jury-Preis Frühreif und Verdorben.
Zweiter Abräumer des Abends:der junge Hannoveraner Mathias Brodowy. Sein Reality-Kabarett zwischen Polit-Witz, Musik und Comedy begeisterte das Publikum so sehr, dass er am Ende den Publikumspreis Beklatscht und Ausgebuht einheimste.
Da freute sich Wochenshow-Star Bastian Pastewka im Publikum:Er
hatte auch auf den scharfzüngigen Niedersachsen getippt.
Der Prix Pantheon 2000:Über sieben Stunden Kabarett mit echten Highlights auch unprämierten. Der Westfale Johann Köhnich erntete mit seiner brüchigen Stimme und Zeitlupen-Vortrag wahre Lachstürme.
Ebenso der Türke Kaya Yanar, der im Stile amerikanischer Stand-Up-Comedy seine Landsleute auf die Schippe nahm. Das Publikum zeigte sich begeistert, musste allerdings auch ein paar echte Ausfälle hinnehmen.
Die Wienerin Andrea Händler kämpfte vergebens um die Gunst der Gäste, auch Michael Altinger und Thomas Philipzen mussten sich wegen ihrer schwachen Show mit Höflichkeitsklatschern begnügen.
Grandios: Sonderpreisträger Robert Gernhardt. Der Mitbegründer des Satire-Magazins Titanic las seine geistreichen und urkomischen Satiren, Texte aus den letzten 40 Jahren. Da lachte auch das junge Publikum fröhlich mit.
Die Bonner Comedy-Kings sind ermittelt, doch eine Frage bleibt. Von zwölf Kandidaten kam fast die Hälfte aus Bayern und Österreich: Gibt es im Rheinland denn so wenig zu lachen?
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