Kritik Cordula Stratmann
vom 10.9.2003 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Das ganzheitliche Kabarett der Cordula Stratmann

Viel zu ehrlich für die Bühne

Cordula Stratmann unterhält mit "Andererseits wiederum" im Bonner Pantheon

Von Ulrike Strauch

Bonn. Wer die Cordula jetzt irgendwie nicht so toll findet, der würde sie vielleicht als Quasselstrippe bezeichnen oder als "anstrengend". Andererseits wiederum ist es ja irgendwie auch total schwierig, sie nicht zu mögen. Wie sie so da steht, mit der weißen Federboa um den Hals geschlungen und einfach drauf los erzählt, zwischendurch losprustet oder nach Herzenslust seufzt.

39620-1 Erzählt Geschichten aus dem täglichen Leben: Cordula Stratmann. Foto: Pantheon
"Andererseits wiederum" heißt auch das Kabarett-Solo, mit dem Cordula Stratmann einfach mal als sie selbst und nicht als Annemie Hülchrath aus der WDR-Serie "Zimmer frei" auftritt. Das tut sie mittlerweile so erfolgreich, dass sie ihr Programm gleich mit CD und Buch flankiert. Im Anschluss an ihren Auftritt im Pantheon absolvierte sie noch eine Signierstunde für ihren literarischen Erstling "Ich schreibe, aber lesen müssen sie selbst".

Das Geheimnis ihres Erfolges ist jedoch schon seit langem keins mehr. Denn Stratmann erzählt Geschichten aus dem täglichen Leben. Die sind nicht unbedingt tiefgründig oder erhebend, aber dafür um so amüsanter. Weil jeder sie kennt. Und sich dabei gut vorstellen könnte, mit so jemandem wie der Cordula befreundet zu sein. Auch wenn ihre Terminplanung eine reine Katastrophe ist: "17.15 Uhr geht der Flieger. Vorher noch Elternsprechstunde, Einwohnermeldeamt und eine Hundepension für die Susi suchen. Das wird eng. Ist aber zu schaffen."

Dabei ist die Stratmann nach eigenem Bekunden eigentlich viel zu ehrlich für die Bühne. "Also so was von ehrlich, da machen Sie sich gar kein Bild von", sagt sie mit charmantem Glucksen in der Stimme.

Sie erzählt gerne Witze, und bietet ihrem Publikum "ganzheitliches Kabarett zum Mitatmen". Und sie mag Standing Ovations: "So wie in diesem amerikanischen Gerichtsfilmen, wo der Verteidiger noch sein Schlussplädoyer hält, und dann steht mitten im Saal einer auf und klatscht." Der stehende Applaus des Pantheon-Publikums zum Schluss gilt allerdings ihr ganz allein. Für zwei rundum vergnügliche Stunden und eine Zugabe im Morgenrock von Frau Hülchrath.

(09.09.2003)


Kritik Cordula Stratmann
vom 4.4.2003 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Das ganzheitliche Kabarett der Cordula Stratmann

Bühnenprogramm "Andererseits wiederum ..." im Bonner Pantheon

Von Ulrike Strauch

Bonn. Sich einfach auf einen Stuhl setzen und zuhören, sobald das große Licht ausgeht: Das war gestern. Cordula Stratmann - auch bekannt als Annemie Hülchrath aus der WDR-Kultsendung "Zimmer frei" - bietet "ganzheitliches Kabarett".

Was man darunter zu verstehen hat, wissen jetzt all diejenigen, die ihr erstes Bühnenprogramm "Andererseits wiederum . . ." im Bonner Pantheon schon gesehen haben. Und dass die wichtigsten Zutaten Erdnussflips aus der Tüte und eine rundum gut gelaunte Geschichtenerzählerin sind.

Gut gelaunt schon deshalb, weil sie nicht Michelle sein muss: "Denn dann wäre ich ja mit Matthias Reim zusammen gewesen und hätte eine beschissene Kindheit gehabt, die mir auf die Stimme geschlagen ist." Im pfirsichfarbenen, tief ausgeschnittenen Abendkleid haucht sie ihr Pläydoyer für die Liebe ins Mikrofon. "Weil es Menschen gibt, die total gefühlsarm sind. Aber die können das nicht so zeigen."

Wobei Stratmanns Repertoire bei Hülchrath und Michelle noch lange nicht endet. Das zeigt die treffsicher an der Realität vorbeizielende Terminplanung einer echten "Berliner Schnauze" kurz vor ihrem wohlverdienten Karibikurlaub: "17 Uhr Einwohnermeldeamt, 17.15 Uhr Abflug? Das wird eng. Iss aber zu schaffen." Vorher noch Koffer packen, Hundepension suchen, Kinder von der Schule abholen, Oma im Krankenhaus besuchen? Ein Blick auf die Uhr: "15.16. Das wird eng."

Dabei ist Stratmann nach eigenem Bekunden eigentlich "viel zu ehrlich" für die Bühne. "Also eine ehrliche Haut, da machen Sie sich gar kein Bild von." Und als solche plaudert sie munter drauflos, gelegentlich von einem "Hör mal", "Glaubste" oder einem einfachen Stoßseufzer unterbrochen.

Zum Beispiel, dass sie keinen Honig mag "und überhaupt gar nichts, was damit zu tun hat und im Sommer in offene Coladosen hineinfliegt". Und dass ihr Lieblingswitz schon 21 Jahre alt ist. "Genau der von den 32 Zähnen. Und alle oben." Nee, was kann diese Frau sich freuen.

(03.04.2003)

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