Kritik GERD KÖSTER + FRANK HOCKER
"Final Verseucht" (Krätzje)
vom 23.10.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Wenn der Bildungsbürger zum Urlaubs-Chaoten wird

Gerd Köster und Frank Hocker im Bonner Pantheon

Von Stefan Barz

Bonn. Es klingt ein bisschen nach Volkslied, ein bisschen auch nach Rock, zumindest aber nach guter Laune: Mit "En d`r Klammerjass" eröffnen Gerd Köster und Frank Hocker ihr neues Programm "Dreckelije Krätzje 2", versprechen aber: "Keine Sorge, das war auch schon der freundliche Teil des Abends".

Ein Versprechen, das Köster nicht immer halten kann, denn so manches Lied macht einfach gute Laune, und auch so manche bitterböse Anekdote klingt im kölschen Dialekt nur halb so wild.

Der Kölner Schauspieler und Sänger ist ein Mann mit vielen Stimmungen: Zwischendurch überrascht er mit gefühlvollen Liebesballaden wie "Durch de Wand", erzählt dann eine Moritat mit Tiefsinn, verbreitet schon mal platten Blödsinn und kennt keine Tabus, wenn er als "Running Gag" seinen Zigarettenkonsum als Maßnahme gegen den Terror rechtfertigt.

Köster nimmt kein Blatt vor den Mund nimmt: Er berichtet in der urkölschen musikalischen Erzählweise "dreckelije Krätzje" rotzfrech vom Leben, wie es ist. Köster erweist sich dabei als präziser Beobachter alltäglicher Abgründe: Verlierer und gescheiterte Existenzen sind ebenso Helden in Kösters Geschichten wie die Laissez-faire-Erzieher, deren Kinder im Café mit Salatblättern um sich schlagen, und der Bildungsbürger, der im Urlaub "ein kolossales Knallkopfpotenzial aufweist".

Die Musik dazu passt: Köster und Gitarrist Hocker orientieren sich stets an den Wurzeln des Blues.Tatkräftige Unterstützung erhielten sie im Pantheon von einem Überraschungsgast, dem BAP-Gitarristen Helmut Krumminga. So schlicht wie die Bluesharmonien ist auch die musikalische Ausstattung auf der Bühne: Mit zwei kleinen Combo-Verstärkern und Akustik-Gitarren illustrieren Hocker und Krumminga die Erzählungen sparsam, aber wirkungsvoll.


(21.10.2001)

nach oben