Kritik MARLENE JASCHKE
mit ihrem Programm "Auf dem Weg zu dir"
vom 20.9.2000 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Frau Jaschke und das Lebensglück

Jutta Wübbe "Auf dem Weg zu Dir" im Brückenforum

Von Susanne Haase-Mühlbauer

Beuel. "Ach, ich habe sie verloren..." - so beweint Orpheus in der Unterwelt den (scheinbaren) Verlust seiner Euridice bei Gluck. Und Jutta Wübbe alias Marlene Jaschke fühlt gleiches. In ihrem Kabarett-Programm "Auf dem Weg zu Dir", das das Bonner Pantheon jetzt im ausverkauften Brückenforum präsentierte, beweint sie damit höchst köstlich eine Frauen-Freundschaft, die an Marlenes liebstem Thema gescheitert zu sein scheint: dem Mann - stets unerreicht und immer ach so nah. Kein Wunder also, dass Freundin Hannelore nur eine Antwort für die verpatzte Chance auf den Lippen hat: "Der Hölle Rache". Die steht nicht nur Mozarts "Königin der Nacht" bestens zu Gesicht.

Im Leben der Jaschke findet jede Szene auch einen musikalischen Ausdruck. Ob das nun ein lasziv gehauchtes Geständnis "Je t'aime" ist, oder eher das Geständnis des Unvermögens "Wie soll ich ihn nur lieben" - frei nach Magdalena im Webber-Musical "Jesus Christ". Auf der Suche nach dem Lebensglück muss dann auch der Vergleich mit Carmen herhalten. Dann nimmt sich unsere verklemmte Marlene die Habanera zu Herzen und fühlt auch hier offenherzig-opernhaft und fast zu gut, um noch komisch zu sein, was Millionen von Opernbesuchern aus Bizets Erfolgsoper kennen: Herzschmerz mit Kastagnetten. Und so stöberte die Kabarettistin vom Kiez querbeet in der Musikgeschichte. Mit fingerfertiger und modulierfähiger Unterstützung durch Volker Griepenstroh am Piano meisterte sie die fantastischen Sprünge zwischen Oper und Volkslied, Musical, Chanson und Popsong.

Jutta Wübbe begeht nie den Fehler, auf die Suche nach Kausalitäten zu gehen. Sie karikiert mit Marlene Jaschke einen Typ, der bei aller Verklemmtheit nie resigniert und der sich auch nie selbst hinterfragt.

(19.09.2000)

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