Kritik ERWIN PELZIG
"Aufgemerkt"
vom 3.3.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Heilig ist ihm nichts

Frank-Markus Barwasser gibt den Franken Erwin Pelzig im Pantheon in Bonn

Von Evelyn Stolberg

Bonn. Ein Franke mit Schlapphut und Karohemd will seinem Publikum etwas von Zeitgeist und globalem Dorf erzählen. Oje. Als ob man da etwas dazulernen könnte . . . Kann man? Man kann: Wenn der Kabarettist Frank-Markus Barwasser heißt und in die Rolle der Figur Erwin Pelzig schlüpft: "Globales Dorf? Ich hab nie auf'm Dorf wohnen wollen, wo jeder hinterm Fenster steht und alles über jeden weiß." Soviel zu Pelzigs Ansichten. Mit der richtigen Prise Sarkasmus, ohne jemals platt zu sein, lässt der Kabarettist in seinem Programm "Aufgemerkt" der Meinung des komischen Franken seinen Lauf, lässt Worthülsen platzen, um zu zeigen, dass nichts als heiße Luft darin steckt.

Heilig ist ihm dabei nichts und niemand, egal ob Marilyn Monroe oder Mutter Teresa. Hautnah ist Pelzig an seinem Publikum: "Wie heißt du?", fragt er scheinheilig die Gäste in vorderster Front. Und sie antworten ihm, als sei er ein alter Bekannter. Barwasser zaubert in das Pantheon eine Wohnzimmeratmosphäre, die ihresgleichen sucht. Er trifft dabei die richtige Mischung aus deftigen Zoten und feinsinniger Komik, bei der auch die Politik ins Visier gerät. Zwischendurch schlüpft er noch in die Rollen des spießigen Dr. Göbel oder des proletenhaften Hartmut. Pelzigs Erkenntnisse über das Image haben einen tieferen Sinn: "Ein Image ist das, was man bräucht`, dass die anderen denken, dass man so ist, wie man gern wär'."

(02.03.2001)

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