Kritik POPETTE BETANCOR
mit ihrem Programm "Damenbart"
vom 6.10.2000 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Abgedrehte Reime

Popette Betancor mit neuem Programm "Damenbart" im Bonner Pantheon

Von Wolfgang Schlüter

Bonn. Die Geschichte des "Damenbarts" begann vor etwa 1000 Jahren. Und Hauptfigur war die hl. Wilgefortis, die sich, um dem ihr versprochenen Ehemann zu entgehen, von Gott einen Damenbart von außerordentlicher Struppigkeit schicken ließ. Der Vater ließ sie kurzerhand kreuzigen und schuf eine Märtyrerin, die in England noch heute als Schutzheilige gegen unliebsame Ehemänner angerufen wird.

Auch Popette Betancor dürfte als Schutzheilige keine schlechte Figur machen. Nicht, weil sie mit einem Damenbart aufwarten kann, sondern weil sie ihr Metier so gut beherrscht. Ihr Programm "Damenbart", das sie jetzt im Pantheon vorstellte, gleicht mehr einem Fächer aus Songs, deren Arrangements, kunstvoll ineinandergefaltet, über dem Abgrund von Aberwitz und Sentiment flanieren. Der Bart: Nur Chiffre, Vehikel für "virtuelle Travestie". Themen sind das Alleinsein, das zu-zweit allein, die Party der Leere. Sehr "noir" das ganze, Noten "bläuen" in verführerischem Jazz und ganz egal, ob smooth, free, funky oder Persiflage: Sie schmiegen sich um die abgedrehtesten Reime, die man sich denken kann.

Klavier, Trompete, Teeei - und das Wort - vereinen sich in der Soubrette Popette zu einem wahren Gesamtkunstwerk, und wenn irgend wann einmal beispielhafte Hervorbringungen der Erdenbewohner in den Äther geschossen werden: Ihr Werk wird dabei sein.

(06.10.2000)

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