ULRICH TUKUR und die Rhythmus Boys
mit "In 80 minuten um die Welt"am 14.3.2000 im Pantheon
Kritik vom 16.3.2000 aus dem Bonner General Anzeiger:


Männer-Bauchtanz und Gondelballett

Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys: "In 80 Minuten um die Welt" im Bonner Pantheon

Von Lorenz Storch

Bonn. "Schwungmusik" - das ist der Ausdruck, den Ulrich Tukur selbst verwendet, um zu beschreiben, was er macht. Und das trifft es eigentlich ziemlich gut. Eine unterhaltsame Melange aus Tanzmusik und Schlagern der 30er bis 50er Jahre, garniert mit Eigenkompositionen und einer pfiffigen Präsentation, das ist die Masche von "Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys". Mit ihrem Programm "In 80 Minuten um die Welt" waren sie zu Gast im Pantheon.

80 Minuten - so lange dauerte die erste Hälfte des Abends, und sie wurde zu einer unterhaltsamen Reise rund um die Welt. Los ging es am Nordpol, das Ziel war das Steinhuder Meer bei Hannover, und zwischendurch ging es quer durch die Kontinente. Genug Gelegenheit also für jede Menge Showeinlagen, von Eskimo-Gymnastik über den (beachtlichen!) Männer- Bauchtanz bis zum venezianischen Gondelballett. Den ersten Lacherfolg landeten die Rhythmus Boys schon durch ihr bloßes Erscheinen: Wenn Bassist Dr. Günter Märtens, "Mambologe und Cha-Cha-Cha-Forscher" (2,08 Meter) und der Schlagzeuger und "Ethno-Akustiker" Dr. Kalle Mews (ein Meter kleiner) nebeneinander stehen ist das eine Schau, selbst ohne Worte. Aber auch an spritzigen Ansagen ließen es die vier Herren im feinen Zwirn keineswegs fehlen, der ganze Abend perlte wie ein Glas Champagner: leicht, aber mit Niveau.

"Leichtigkeit ist das Schönste, was man überhaupt erreichen kann", glaubt Ulrich Tukur, der auch die Hamburger Kammerspiele leitet und immer wieder als Schauspieler auf der Bühne und vor der Kamera steht. Seine Liebe zum Schellackplatten-Sound kultiviert er schon seit vielen Jahren: Bereits für seine erste große Theater-Rolle bei Peter Zadek spielte er beim Vorsprechen den Schlager "Ach verzeihn Sie, meine Dame, Gottfried Schulze ist mein Name und ich liebe Sie" - die Rhythmus-Boys haben das Lied noch heute im Programm. "So leicht zu spielen, dass die Musik irgendwann gasförmig wird" ist ihr erklärtes Ziel.

Doch bevor sich das Programm in Belanglosigkeiten verflüchtigt, haut Ulrich Tukur gezielt geschmacklos dazwischen und erinnert an die Realitäten jenseits der Schwungmusik: "Wasserskifahren in Mosambik" schlägt er dann vor, und nimmt es gleich wieder zurück, bevor es richtig peinlich wird.

Nach der Pause war die Weltreise zu Ende, es gab nur noch kurze Ansagen und die Rhythmus Boys konzentrierten sich nun mehr auf ihre Musik. Da gab es etwas weniger zu lachen, dafür begannen einige der älteren Besucher fast mitzusingen. Ein runder Abend.

(15.03.2000)

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