Kritik Hagen Rether "Liebe" vom vom 8.10.2004 aus der Kölnischen Rundschau: Bald ein Prinz im Feuilleton Von B. SCHMITZ-KUNKEL 08.10.2004 19:46 Uhr KÖLN. Der Mann ist anders als seine Kollegen. Eleganter Anzug, gepflegter Zopf und ebensolches Pianospiel. Wenn Kabarettist Hagen Rether auf die Bühne geht, wird´s leise. Beiläufig freundliches Plaudern über dies und das, mal ein Löffel Joghurt zwischendurch. Doch kaum wiegt man sich in Sicherheit: schon wieder eine dieser Pointen, die ihre Explosionskraft gerne mal mit Verzögerung freisetzen. Liebe heißt Hagen Rethers Programm. Wie der Essener das meint, versteht man, je länger der Abend dauert: bei Rether nämlich schließen sich Hirn und Herz nicht aus. Dabei ätzt er sich durch die Mängel seiner Heimat (Wenn so Essen aussieht, wie sieht dann Kotzen aus?), vor allem aber die der Politik jeglicher Couleur. Es geht um Schröder, Schily und den kategorischen Instinktiv der Amerikaner. Er widmet den Abend Barbara Bush, die nach der Geburt hoffte, ihr Sohn George W. sei gesund. Rether denkt an Lehrer, die Kinder unterrichten, mit denen sie selbst früher nicht hätten spielen dürfen, an unseren zynischen Umgang mit lebenden Fleischlieferanten und die eitle Selbstverliebtheit von Herbert Grönemeyer (Schön, dass es mich gibt). Geradezu genial entrollt Rether zur eigenen raffinierten Klavierbegleitung seine Assoziationsketten, in denen auch mal ein Shakespeare-Sonett vorkommt. Die eigenen Übergänge und Pointen stellt er zwischendurch mit einer in der Branche gänzlich unüblichen Selbstironie in Frage. In seiner Zugabe träumt der Shooting-Star, der in diesem Jahr u.a. mit dem Prix Pantheon ausgezeichnet wurde, jedenfalls schon von der künftigen Existenz als Prinz im Feuilleton. Da kann er ganz beruhigt sein. Hagen Rether spielt am 9. und am 25.10. im Bonner Pantheon. Karten: 0228 / 21 25 21. |
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