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Kritik U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern
"Gesichtsgünther"
vom 22.6.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:
Gesichts-Günther probt den Gesangsangriff
Die "U-Bahn-Kontrollöre" im Konzert im Bonner Pantheon
Von Mathias Nofze
Bonn. Stille im Pantheon, nur hier und da ein Glucksen oder Kichern. Matthias Keller spricht mit sanfter Stimme von kosmischer Energie und führt eine typische Konzentrationsübung vor: die zum Halbkreis geöffneten Arme langsam von links nach rechts und umgekehrt drehen. Das Ganze nennt sich "Den Fahrer während der Fahrt bitte nicht ansprechen". Nur für Fortgeschrittene dann: "Auseinanderfalten des Wahlzettels zur hessischen Kommunalwahl". Statt Glucksen und Kichern nun brüllendes Gelächter.
Nächste Szene: Zwei kuhäugig dreinschauende Typen ziehen Plastikstühle herein, nehmen Platz, zwei nicht minder schräge Vögel postieren sich im Hintergrund: Sie geben das giftig stichelnde Background-Duo im Gesangsquartett über zwei Freunde, die Yin und Yang heißen oder Trick und Track oder vielleicht auch Wisch und Weg. Ein genial inszenierter und brillant gesungener Meta-Schlager, der zugleich die Rollenverteilung zwischen selbstverliebten Frontsängern und tumben Background-Stimmchen aufs Korn nimmt.
"Hardcore-A-Capella" nennt sich das Genre, in dem die "U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern" meisterhaft agieren. Auch im neunten Jahr des Bestehens schaffen es die fünf Sänger, professionell aufzutreten und zugleich den Eindruck zu erwecken, man wohne einem improvisierten WG-Spaß-Event bei. "Gesichts-Günther" heißt der neueste, geballte Gesangsangriff auf die Lachmuskeln, gewidmet allen Menschen, "die sich für ihr Passfoto schämen". Respektloser Nonsens, abgrundtief schwarzer Humor, absurde Choreographien, schrille Kostümierungen, witzige und einfallsreiche Gesangsarrangements aller Stilarten ergeben eine kontrolliert chaotische Bühnenshow.
(21.06.2001)
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