Kritik U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern
"Gesichtsgünther""
vom 19.7.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn:



Schräg und schrill

"U-Bahn-Kontrollöre" im Bonner Pantheon

Von Susanne Haase-Mühlbauer

Bonn. Fast meinte man bei "O Fortuna!" ein Stöhnen gehört zu haben - der Schicksalschor, der die Carmina Burana in der Vertonung von Carl Orff rahmt, bekam jetzt, zum Abschluss des A-cappella-Festivals im Pantheon, eine ungeahnte Interpretationsvariante.

Musikalische Klasse traf hier auf eine schräg-komische Inszenierung. Und die sah beim Fortuna-Chor so aus: Während eine Handpuppe in Form einer boxenden Nonne den Rhythmus optisch schlägt, kommt die Gruppe akustisch gänzlich ohne Instrumentarium daher.

Das Schlagwerk haben die fünf Verrückten namens Olli Hartstack, Sebastian Rajkovic, Harald Bannoehr, Matthias Keller und Filippo Tiberia nämlich in den Kehlen. Doch die alleine reichen der Gruppe mit dem wenig verratenden und doch vielsagenden Namen "U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern" nicht.

Der Name ist den Frankfurtern Programm. Schräges und Schrilles in passenden und unpassenden Klamotten wird chaotisch, bunt und mit viel Lust an der Verkleidung "vorgetragen". Allein die Kopfbekleidungen, von Seppelmütze bis zur Einstein-Perücke, lassen ahnen, was sich in den Köpfen ihrer Träger abspielt.

Mal wird eine eingelegte Gurke am Minigrill unter Strom gesetzt, mal wird russische Folklore ("Auf der blauen Olga") a cappella in Harmonie und Rhythmus versetzt. Unverfroren und frisch aus "Grönland" importieren die Kontrollöre den "originalen" ABBA-Sound und zeigen sich auch im spanischen Gitarrenlied (selbstredend ohne Gitarre) stil- und treffsicher.

Sie vereinen Comedy und A cappella und haben ihr Programm titelgebenden Song "Gesichtsgünther" allen denen gewidmet, "die sich für ihr Passfoto schämen."

(18.07.2002)

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