Kritik Robert Gernhardt "In Zungen reden" vom 11.4.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn: Und Gott sprach: "Du sollst nicht lärmen" Robert Gernhardt präsentiert im Bonner Pantheon seine ganz eigene Wanderung durch die Literaturgeschichte Von Stefan Barz Bonn. Stimmen lebender Personen zu imitieren ist schon ein Kunststück für sich - Stimmen nicht mehr lebender Personen zu imitieren eine wahre Herausforderung an Einfallsreichtum und handwerklichem Geschick. Robert Gernhardt hat diese Herausforderung angenommen: Das Ergebnis ist sein jüngstes Buch "In Zungen reden - Stimmenimitationen von Gott bis Jandl", aus dem er nun im Pantheon einige Kostproben gab. Gernhardt präsentiert seine ganz eigene Wanderung durch die Literaturgeschichte und kommt absichtlich vom Weg ab: Der Imitator spricht in Zungen von Dante, Wilhelm Busch, Eichendorff, Jandl - und verkündet dabei seine eigenen Geistesergüsse: Die Form bleibt, der Inhalt wird verfremdet und endet regelmäßig in Nonsens. Beides beherrscht der studierte Germanist, "Titanic"-Mitbegründer und Gagschreiber für Otto Waalkes. So predigt Gernhardt mit der Zunge Gottes das elfte Gebot "Du sollst nicht lärmen", übersetzt Dantes Terzinen in die Gegenwart und wendet auf Eichendorffs Gedicht "Zwielicht" die "Classic Sandwich"-Methode an: Zwischen der beibehaltenen ersten und letzten Zeile fülle man eine selbstverfertigte Farce. Eigentliches Highlight ist jedoch die Busch-Imitation auf "Max und Moritz": Aus den Lausbuben werden die Studentinnen Pat und Doris, aus dem Lehrer-Lämpel-Anschlag das authentische "Busen-Attentat" auf den Philosophen Adorno im Jahr 1969. Gernhardt, der vor zwei Jahren den Prix Pantheon in der Kategorie "Reif und bekloppt" erhielt, liefert mit seiner Lesung lehrreiche Unterhaltung, die zeigt, dass sich Komik und Niveau nicht ausschließen müssen. Robert Gernhardt: In Zungen reden. Stimmenimitationen von Gott bis Jandl. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2000, 240 Seiten, 8,90 Euro. (10.04.2002) |
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