Kritik Johann Köhnich
vom 10.7.2003 aus dem General-Anzeiger Bonn:


"... also, ich hab' heute richtig Bock"

Comedy-Preisträger Johann Köhnich begeistert das Publikum im Bonner Pantheon mit Nonsens-Episoden

Von Hagen Haas

Bonn. Die ersten Worte sind bezeichnend. "Ich hab' ...", stammelt Johann Köhnich mit zittriger, fast kastratenhafter Stimme. Hände wringend und mehrfach schluckend steht er auf der Bühne im Pantheon. "... also, ich hab' heute richtig Bock." Na endlich. Köhnich grinst verlegen-verschmitzt ins Publikum, das er mit dieser Fingerübung sofort auf seine Seite gezogen hat. Die Leute sind regelrecht aus dem Häuschen.

Der 1972 in Soest geborene und gelernte Kinderkrankenpfleger zählt spätestens seit dem Deutschen Comedypreis 2001 als "Entdeckung des Jahres" hierzulande zur ersten Liga.

Seine Nonsens-Episoden wie den Kuchengabel-Flirt mit einer unbekannten Schönen oder das Ameisen-Rösten mittels Vergrößerungsglas erzählt er mit enervierendem Charme - und immer so, als würde ein Sextaner im Direktorenzimmer vorstellig.

Seelenverwandt mit Rüdiger Hoffmanns unbändigem Temperament und Piet Klockes druckreifem Duktus, brachte Johann Köhnich schließlich nur eines aus der Fassung: eine wiederholt niesende Zuschauerin. Da mutierte der schläfrige Lausbub zum revanchistischen Sadisten - vorübergehend.

Im Gegensatz zu seinem Bruder Horst-Kevin Köhnich sei er, Johann, nicht getauft worden. Angeblich, damit die Eltern ihre zwei Söhne besser unterscheiden könnten. Was zur Folge hatte, dass Johann als Steppke immer eine "Heidenarbeit" verrichten musste. Trotzdem habe er stets einen "Heidenspaß" gehabt.

Musikalische Unterstützung erfuhr Köhnich von Dr. Paul (Akustik-Gitarre und Schiffer-Klavier). Bei der Interpretation von Nicoles "Ein bisschen Frieden" kam es nicht so sehr auf den Text an. Vorrangig waren Köhnichs semispastische Bewegungen, die so etwas wie Rhythmusgefühl suggerieren sollten.

(09.07.2003)

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