Kritik Rainer Pause + Norbert Alich
"Das Weihnachtsspecial"
vom 30.11.2001 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Wie ein Kölschglas vor dem Wind

Rhenanias Weihnachtsspecial im Bonner Pantheon

Von Wolfgang Schlüter

Bonn. Da stehen sie sich gegenüber, friedlich, feierlich, "Fritz" und "Herrmann", die so ungleichen Vereinsvorsitzenden des notorischen Karnevalsvereins Rhenania. Ein ganzes Pantheon-"Weihnachtsspecial" lang "Sonny-Boys"-verzupftes, verspieltes Gepampe und Gezanke, harren sie nun, mit glänzenden Kinderaugen, der Bescherung.

Wir sehen schon, was beide noch hinter dem Rücken verbergen, und jetzt, langsam, nach vorne holen: Jedes gleich lang, gleich schlank, mit einem roten Schleifchen umbunden; und es ist, da nun beide die eigene Kölsch-Flöte kühl in der Hand fühlen, als ginge in ihren Gesichtern die Sonne auf, und insbesondere Herrmann (auch als Norbert Alich bekannt) hieße nicht Schwaderlappen, zwänge er nicht Sinnlichkeit und sprichwörtliche rheinische Bescheidenheit in einem Spontan-Ausbruch zusammen: "Was ist ein Bernsteinzimmer gegen die Farbe dieses Glases!"

Weihnachten - das wissen die beiden Freudentränenspender - ist das Fest der Liebe, der Lieder, Gedichte und Geschichten. Entsprechend hübsch verpackt, werden die globalen und nationalen Monsterthemen nur gestreift; und dort, wo es möglich ist - also überall - auf ihre lokale Bedeutung sachte runtergeregelt. Wie bei der Homo-Ehe.

Umständlichst erwägen unsere Brauchtumspfleger ihr Für und Wider, bis Herrmann, endlich, alle Aporien auflöst: Wie furchtbar wäre es doch, "am andern Ufer" einsortiert zu werden, "also rechtsrheinisch". Viel Musik schließlich, da man zwar zusammen singen, nicht aber quatschen kann, klavierbegleitet und unterstützt von rhythmisch gemeinten Bewegungen. Insbesondere Fritz Litzmann (alias Rainer Pause) nähert sich, seine langen Gliedmaßen einsetzend wie Ruder, ungewollt und zum in die Ecke werfen komisch, dem Ausdruckstanz.

Die Nähe zu Don Quixotte ist wohl zufällig, aber stimmig, geht es doch in den Medleys aus Weihnachtsliedern und Poppigem um nichts weniger als das wehe Bonn: "Du hast gelebt / wie ein Kölschglas vor dem Wind / und der Köbes kein neues bringt". Aber bevor alles zerfließt, sei versichert: Nach dem Fest ist vor dem Fest - bald wird wieder "pink" ge-"punkt"!

(29.11.2001)

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