Kritik Willy Astor "Aloneunderholder" vom 19.10.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn: Don Kamille und Peperoni ermitteln in Wuppertal Wein, Web und Gesang: Willy Astor witzelt im Bonner Pantheon Von Hagen Haas Bonn. Komiker Michael "Bully" Herbig hatte in seiner Kult-Comedyshow "bullyparade" eine erfrischende Rubrik namens "Bully vor der Tapete". Herbig stand vor einem grässlichen Wandstoff-Relikt aus den Siebzigern, drückte sich ein überdimensionales Mikrofon an die Wange und lieferte temporeiche Wortspiele, in eine kleine, absurde Story verpackt. Verglichen mit dem Verbal-Akrobaten Willy Astor muten Bullys Bonmots wie Kinderreime an. Astor brillierte im Pantheon mit einem rasanten Rede-Reigen - ebenso vergnüglich wie intelligent, nicht immer hochklassig, aber auch niemals flach. Da wäre die Internet-Show "Wein, Web und Gesang" mit Moderator Mike Rosoft, der mit Hilfe des bayerischen Dialekts versichert: "Scanner sich auch anmelden." Einfallsreich und mit schier endlosen Wortspiel-Verflechtungen gespickt, kam auch Astors Kriminalgeschichte aus dem Nahrungsmittel-Kosmos daher, die man natürlich nicht für "bare Minze" nehmen sollte. Don Kamille und Peperoni tummeln sich auf der Suche nach Michel Broccoli auch in Wuppertal. "Da fährt ja eine Schwebebahn auf Auberginen." Zwischendurch greift der ganz und gar bescheiden wirkende Comedian und Musiker zu seiner Gitarre und interpretiert den Hit "Félicita" von Al Bano und Romina Power als "Wähle Cheeta" - Tarzans Äffchen als Kandidatenempfehlung an die Union für die nächste Kanzlerwahl. Ein Ausflug in die Welt des Fußballs entlarvt Italiens Nationaltrainer als gewieften Fallensteller ("Trapper-Toni") und entbehrt auch nicht schauderhafter Forst-Episoden: "Da wurden zwei Hirsche von der Tanne herunter geballackt, das war vielleicht ein Rehhagel." Willy Astor jongliert mit der Sprache so flink und virtuos, teils stakkatoartig, dass er einige Wortspiele für das Publikum wiederholen muss. Seine Klavier-Zugabe "Du bist ein Diamant" zeigt den 41-Jährigen als melancholischen Balladentexter, und spätestens mit dem Gitarren-Instrumentalstück "Nautilus" ist es im Pantheon ganz still geworden. Sphärische Träume der Unendlichkeit tief unter der Wasseroberfläche werden hörbar: Maritime Fabelwesen schlängeln sich durchs Korallenriff. Der Mann ist mit sprudelnder Vielseitigkeit ausgestattet, sein Potenzial sprengt die genormten Bühnenprogramme. (18.10.2002) |
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