Kritik Biermösl Blosn
vom 16.9.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Volksmusik" mit Biermösl Blosn

Im Bonner Pantheon unterlegen Biermösl Blosn die schuhplattlernde und juchzende Tradition aus Bayern mit einer gehörigen Portion ihrer wiederum ganz eigenen feinsinnigen Ironie

Von Ulrike Strauch

Bonn. Dass die Bürger des Freistaates Bayern bei ihren Mitmenschen in den übrigen 15 Bundesländern einen ganz eigenen Ruf genießen - daran werden auch Hans, Michael und Christoph Well aus Günzlhofen nichts ändern.

Was also macht man mit Dingen, die nun mal sind, wie sie sind: das Beste. Und diese Übung beherrschen die drei musizierenden Brüder, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen "Biermösl Blosn", im Pantheon mit spielerischer Leichtigkeit. Dass sie deshalb zu Wahlkampfbotschaftern Edmund Stoibers ernannt wurden, ist allerdings nur ein Gerücht.

Kein Gerücht hingegen ist, dass es auf der Bühne rund um die bajuwarischen Virtuosen eher ausschaut wie in einer Musikalienhandlung in Biermoos irgendwo zwischen Passau und München: von der Harfe, über die Querflöte zum Akkordeon oder auch von der mittelalterlichen Drehleier über Peitschen und Sensen bis zum Alphorn.

Aufgewachsen mit Vereinsfeiern und Volksmusikabenden, unterlegen Biermösl Blosn die schuhplattlernde und juchzende Tradition im Lande ihrer Väter mit einer gehörigen Portion ihrer wiederum ganz eigenen feinsinnigen Ironie, die sie zu guter Letzt doch deutlich von den Interpreten des Musikantenstadls unterscheidet.

Dennoch wird, wer schon zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr im Heimatort aufgespielt hat, seinen Wurzeln irgendwie immer treu bleiben: "Adagio majestoso, Untertitel: Festzug zur Kirche hinter der geweihten Fahne, anschließend Tanz der Fahnenjungfrauen".

So macht man heutzutage Musik in Orten, wo es nur noch einen echten Bauern, aber dafür drei Baumärkte hat. Und wo es noch richtig g`mütlich hergeht, frei nach dem Wahlspruch der "Libertas bavaria": "Jede Minderheit hat bei uns das Recht, sich der Mehrheit anzuschließen."

Dem Publikum, "des wo mitdenkt", dankten die Gebrüder Well mit drei Zugaben. Wer sie diesmal verpasst hat, kann sie am 16. November in der Reihe "Pantheon außer Haus" gemeinsam mit ihrem Freund und Förderer Gerhard Polt im Kölner "Limelight" erleben.

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