Kritik Mark Britton: "Welcome to Britton"
vom 22.4.2003 aus dem General-Anzeiger Bonn:


Mark Britton durchläuft die Evolution

Britischer Humor im Bonner Pantheon

Von Susanne Haase-Mühlbauer

Bonn. Er spricht von "den Deutschen" und "den Briten" und seziert ihre typischen Eigenheiten mit britischem Humor in deutscher Sprache. Als in Deutschland lebender Brite ist Mark Britton eben beides und so kann er getrost aus der persönlichen Nähe kabarettistisch-humoristische Distanz aufbauen. So bekommt jeder bei ihm sein Fett weg.

Gnadenlos witzig und mit ganzem Körpereinsatz macht er seine Show zum ständigen Rollenwechsel, den er als Ganzkörperangelegenheit behandelt. Distanz und Nähe - er besitzt sie auf vielen Ebenen. Etwa bei seiner Beantwortung der Fragen: Was geht im Kopf eines Kiffers vor? Wie hört sich ein nüchterner Vater für den heimkehrenden, alkoholisierten Sohn an? Und wie locker fühlt sich ein pubertierender Jugendlicher in Plateauschuhen und Schlaghosen bei seiner Saturday Night Fever-Choreografie auf der Tanzfläche der Teenie-Disco? - Je schriller die Situation, desto besser die Darstellung Brittons.

Sein Publikum, das er jetzt mit einem "Best of"-Programm an zwei Tagen im Pantheon mit bestem brittonischen Humor unterhielt, sensibilisierte er dabei mit Vorliebe für ungewöhnliche Wahrnehmungsformen, schrille Typen und schräge Situationen.

Und die können sich in Brittons unvergesslichen Erlebnissen als verkaterter Osterhase wiederspiegeln, zeigen sich in einem kurzen Aufflackern von Klaustrophobie im Solarium oder in der unwesentlich länger dauernden Evolutionsgeschichte - vom Affen zum modernen Menschen und zurück zum pubertierenden Jugendlichen. Britton zeigt sie an der Körperhaltung, die sich über die Entfernung von einem Bühnenende zum anderen markant verändert.

Überhaupt sind sein Körper und seine Mimik neben der Sprache gleichwertige Handwerkshilfen seiner "One man-Show". Mit der pantomimischen Fähigkeit, Bilder mit dem Körper zu zeichnen und Geschichten mit dem Gesicht zu erzählen, entbehrt er keine noch so bunte Requisite, kein noch so lustiges Detail. Vom Schwangerschaftskurs und den darauf folgenden mehr oder weniger realistischen Vaterfreuden über die klassische Panik-Attacke der mittleren Jahre bis zum Weg ins Grab - keine Lebenssituation ist Britton heilig, kein Missgeschick zu peinlich. Im Gegenteil: je abstruser, desto brittonischer.

(21.04.2003)

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