Kritik Jess Jochimsen "Friss, Vögel oder Stirb!" vom 7.11.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn: Deutsche Gesellschaftsbilder zwischen Hippie und Yuppie Kabarettist Jess Jochimsen im Bonner Pantheon Von Ulas Atay Bonn. In den Feuilleton-Spalten wird er als "ewiger Nachwuchskabarettist" charakterisiert. Das stört ihn wenig, weil er sich seiner Bühnenpräsenz bewusst und eitel genug ist. Schließlich hat er seine Persönlichkeit in extremen Spannungsfeldern aufbauen müssen. Seine Großeltern wuchsen nationalsozialistisch, seine Eltern anti-autoritär und er konsumorientiert im erzkonservativen Bayern auf. In seinem Bühnenprogramm "Friss, Vögel oder Stirb" zeigt er was dabei herauskommt, wenn man zu Hause Che Guevara-Plakate aufhängt und sein Kind in der Karnevalszeit als Gandhi auflaufen lässt. Jochimsen hat sich entschieden, Geschichtenerzähler zu werden. Nach eigener Definition spielen seine Geschichten "irgendwo zwischen angehender Spießigkeit und RockÓnÓRoll" und, in einer zweiten Version, "irgendwo zwischen Kinderkriegen und nicht erwachsen werden wollen". Die Geister die er ruft, zeigen Bilder und Idole der deutschen Gesellschaft zwischen Hippie- und Yuppie-Zeitalter. Hierbei gibt er sich auch politisch, schließlich gehört Dieter Hildebrandt zu seinen Vorbildern. Seine politische Sichtweise entspricht der Fernsehgeneration: distanziert aber aufgeklärt. "Ja, deswegen sind wir so geworden", feixt er. Tatsächlich scheint er das Kabarett ins Multimediazeitalter tragen zu wollen. Schon jetzt schöpft er gekonnt Licht- und Toneffekte für seine musikalische Bühnenshow aus. Jochimsen ist Gastgeber bei der Pantheon Lesenacht, 11. Novemberv 2002, 20 Uhr. Mit dabei: Joachim Malmsheimer, Jakob Hein und Axel Hacke. (06.11.2002) |
|||