Kritik Georg Kreisler + Barbara Peters "Ungesungene Lieder" vom 15.10.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn: "Ungesungene Lieder" Georg Kreisler ohne Klavier im Bonner Pantheon Von Susanne Haase-Mühlbauer Bonn. Was ist ein Georg Kreisler ohne Klavier? Die letzten fünfzig Jahre war diese Frage sicherlich kurz und knapp zu beantworten: nur die halbe Künstlerpersönlichkeit. Schließlich verschmelzen in seinen bissigen Chansons Wort und Ton zu einer Einheit. Das Klavier ist mehr als harmonische Stütze. Es ist gleichwertiger Partner der Lyrik. Jetzt, mit 80 Jahren, erlebt man das Urgestein des deutschsprachigen Kabaretts ("Tauben vergiften im Park") zusammen mit seiner Lebens- und Bühnenpartnerin Barbara Peters als Leser und Interpret seiner eigenen Texte. Und ist verwundert. Wer die Lieder mit Musik kennt, für den klingt sie ohnehin mit. Und wer die Texte das erste Mal hört, spürt die Dynamik und hintergründig-sarkastische Spannung auch ohne die Musik. So ist ein Kreisler ohne Klavier weder halb so schlimm noch die halbe Wahrheit. Und man hört neben seiner Lyrik auch Auszüge aus seinen Büchern ("Ist Wien überflüssig?", "Worte ohne Lieder" oder "Die alten bösen Lieder") und bislang unveröffentlichte Texte. Dabei fesselt das Duo Kreisler / Peters, das jetzt mit seinem Programm "Ungesungene Lieder" im Pantheon zu erleben war, mit scharfzüngiger Wortgewalt. Der Fokus auf den Schriftsteller Kreisler wird verschärft. Und dabei betört der alte Zyniker beim Lesen mit charmantem Wiener Akzent und verpackt die alltäglichen Absurditäten in betont schlichtem Reim, macht seinen Gedanken zu Obrigkeitsgehorsam, Rassendiskriminierung und der Illusion, die sich Leben nennt, in freier Prosa Luft und lässt Pointen sang- und klanglos im Raum stehen. So gibt das 20. Programm, das Kreisler/Peters gemeinsam erarbeitet haben, nicht nur Ratschläge für`s Leben, um sie im gleichen Zug als Floskeln zu enttarnen, sondern zeigt vor allem - frei nach dem Motto "nur Irrwege führen zum Ziel" - seine Widersprüchlichkeiten auf. (15.10.2002) |
|||