Kritik Männerkulturen "KnallZart" vom 12.7.05 aus dem Bonner Rundschau: Zwischen Bohrmaschine und Bierkästen Gastspiel des Kölner Comedy-Ensembles "Männerkulturen" im Pantheon Von Christoph Pierschke Bonn. Drei Männer tänzeln von rechts nach links über die Bühne, verschwinden hinterm Vorhang und tauchen in entgegengesetzter Richtung wieder auf. In schwarzer Hose und weißem Hemd winken sie in Zeitlupe dem Publikum zu , lassen die Hüften schwingen undzeigen sich passend zu den Reggae-Klängen bester Laune. Linksaber hängen über einer Wand schon drei Krawatten für den Ernst des Lebens und rechts die Handtücher für das Fitnessstudio bereit. Und natürlich gibt es irgendwo in den Kulissen einen geheimen Zugang zum Hobbykeller, wo alles bereitsteht was der Mann so braucht: Bohrmaschine und Bierkästen. Die "Männerkulturen" aus Köln haben sich ihr Programm "KnallZart" mit dem sie im Pantheon gastierten, mächtig vollgepackt. Gesellschaftliche Eliten und Probleme gilt eszu verhandeln. Qualitätswitze mit Prädikat" verkündet dasHerren-Trio für die Zukunft und fragt verschmitzt: "Soll ich meinem Hund die Vertrauensfrage stellen?" Scjießlich seien sie "nichts weiter als ein Markenprodukt und Marionetten der Kabarettindustrie", die als ferngelenkte Boygroup der Satire das junge Publikum zu den Kleinkunstbühnen locken soll Da darf man dann vor nichts und niemandem zurückschrecken, und über den Völkermord in Ruanda wird in locker flockiger Fußballreportage berichtet. Aber im Mittelpunkt steht die Sinnfrage des Mannes bei "Männerkulturen": Macho oder Softie? Cowboy oder Schnäppchenjäger? Die Antwort liegt den Dreien schonauf der Zunge: "Kuscheln macht erfolgreich", denn was wäre schließlich die Welt ohne Kinder? "Ein Ort an dem man ausschlafen könnte." Bei soviel Durcheinander hilft eigentlich nur Vergessen: "Vergessen Sie, dass ihr Kind einen Kindergartenplatz bekommt - aber erst in dem Alter, wenn es mit dem Auto selber hinfahren kann." Zuletzt also die Flucht in die "Unabhängigkeitserklärung", in das "letzte Heiligtum des Mannes" und zu den Klängen von "Bonanza" steppt der Mann mit seiner Bohrmaschine durch den Hobbyraum, bis er sich mit dem Kabel verheddert und mit dem "Kasten Bier"durch die Hintertür verschwindet. Einen fulminanten Abend boten die Drei aus Köln mit allem, was man über Mann schon immer wissen wollte. |
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