Kritik Volker Pispers
"Damit müssen sie rechnen"
vom 17.1.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn:

Der Durchblicker: Volker Pispers im Bonner Pantheon

Von Swantje Karich

Bonn. CDU, SPD, FDP und Grüne, Krieg, Frieden, Schläfer,
Lehrer - keiner kann ihm entkommen, dem Kabarettisten
Volker Pispers. In seinem siebten Soloprogramm - "Damit
müssen Sie rechnen" - öffnete er den Zuschauern im
ausverkauften Pantheon wieder einmal die verschlafenen
Augen. Aktualität ist Pispers Stärke. Die Großen werden
zu seinen Opfern, der mündige, informierte Bürger zu
seinem Ideal.

Drei Stunden lang wird der Zuschauer quer durch alle
politischen und gesellschaftlichen Themen gejagt.
Unvergleichlich sind Pispers` trockene Art, seine
Offenheit, mit den Zuschauern zu spielen, und seine
Ruhe, mit der er die Pointen setzt. Schon nach wenigen
Minuten hat Pispers die Sympathien auf seiner Seite.

Stoiber, Merkel und Bush sind für ihn die Macher der
letzten Woche. Merkel wird für Stoiber "der kleine
Hunger für zwischendurch". Von "das Merkel" hätte er
gerne mal eine Haarprobe, und wenn "Lügen kurze Beine
hätten, könnte Roland Koch dem Gysi von unten in die
Nasenlöcher gucken". Daneben präsentiert er die
Dauerbrenner des Kabaretts: Lehrer, Ärzte und
Journalisten.

Fühlt sich der Zuschauer im ersten Teil noch auf der
sicheren Seite, um ungehemmt herzhaft über Politik zu
lachen, geht es in der zweiten Hälfte jedermann an den
Kragen. 80 Millionen deutsche Fu§ballnarren werden
innerhalb kürzester Zeit zu Islamspezialisten; wo andere
Menschen ein Stammhirn haben, haben Deutsche einen
Stammtisch - Deutsch zu sein ist für ihn eindeutig ein
genetischer Defekt.

Zu Hochform läuft Volker Pispers auf, wenn es darum
geht, die Ernsthaftigkeit der Themen bei aller
kabarettistischen Betrachtung nicht aus den Augen zu
verlieren. "Was hat die Kritik an Israel mit
Antisemitismus zu tun", fragt er und verwickelt den
Besucher in ernsthafte Reflexionen der eigenen
Ansichten.

(16.01.2002)

weitere Termine im Pantheon 2002: 3.2./20.3./23.+24.4./3.+4.9.

nach oben