Kritik Ulrich Tukur + die Rhythmus Boys "Wunderbar dabei zu sein" vom 10.9.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn: Die Männer sind schon die Liebe wert Wunderbar, dabei zu sein: Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys im Bonner Pantheon Von Sandra Kreuer Bonn. Wenn wieder einmal Kritiker über ihn herfallen sollten und die Witze des Grimme-Preisträgers als Plattitüden zu entlarven meinen, dann könnte Ulrich Tukur zum Telefonhörer greifen und sich Trost bei Helge Schneider holen. Rein äußerlich mögen zwischen dem Mann im altmodischen Nadelstreifen-Anzug und der bekennenden Herrentorte ja Welten liegen, doch dafür gibt es ungeahnte Ähnlichkeiten. Wie die einer schaurig-schönen Begleitband und eines zwischen volkstümelnder Ironie, Nonsens und beschwingter Leichtigkeit angesiedelten Humors. Humor ist, wenn Tukur vor seinem Auftritt mit den 1995 gegründeten Rhythmus-Boys im Pantheon angeblich mal eben `runter zum Rhein gelaufen ist, dort den "Pflück mich"-Ruf der Blumen hörte, mit einer Axt die zarten Pflanzen fällte und nun, Stunden später, auf der Bühne endlich einen "Strauß voll Melodien" im Arm hält. Oder im "atomsicheren Bunker" am Bundeskanzlerplatz eine "Fangopackung der guten Laune" verspricht, um sich der Sorgen zu entledigen. Das Ganze trägt Tukur, Jahrgang 1957, im Stil längst vergessener Conférenciers der 30er und 40er Jahre vor, die es ihm und seinen gereiften "Boys" Günter Märtens, Kalle Mews und Ulrich Mayer angetan haben. "Wunderbar, dabei zu sein" heißt das Zeitreise-Programm. Als Tanzpaläste noch das waren, was der Name versprach, die Männer sich Brillantine ins Haar schmierten und man mit den Schlagern von Ralf Maria Siegel, Peter Igelhoff und Peter Kreuder dem Alltag entfloh. Nostalgie pur also, wenn Ilse Werners "Letzte Straßenbahn", "Kauf dir einen bunten Luftballon", "Die Männer sind schon die Liebe wert" oder "Mein fröhlicher Kakadu" eigenwillig mit einer Spur Comedy interpretiert werden. So darf der 2,06 Meter große Kontrabassist Günter Märtens mit Schleier und hochgekrempeltem Hemd seine Hüften als Haremsdame kreisen lassen, imitiert Schlagzeuger Kalle Mews Vogel- und Eisbärstimmen - und wenn`s sein muss auch ein ganzes Sinfonieorchester -, und gibt Gitarrist Ulrich Meyer den in die Jahre gekommenen Ersatz-Jimi Hendrix. Dem darf Ulrich Tukur bei einer allzu gewagten Zugabe, mit dem Rücken auf Bodenhöhe, dann auch mal wieder ans Mikrofon helfen. Was sie dort fabrizieren, gehört zwar nicht in die Abteilung begnadeter Gesang, muss es aber auch nicht sein. Hauptsache, die Unterhaltung und der musikalische Anspruch stimmen - ob beim Gitarren- oder furiosen Schlagzeugsolo als Zugabe. Und so war`s dann auch "Wunderbar, dabei zu sein". (09.09.2002) |