Kritik Queen Bee
"Ich leg zu und du baust ab"
vom 10.5. und 14.11.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn:



Schuld ist immer das Wetter oder das Leben

"Queen Bee" im Bonner Pantheon

Von Susanne Haase-Mühlbauer

Bonn. Sie geben den "Kerlen" die Schuld. Und auch den "Weibern". Und wenn man schon beim Schuldverteilen ist, dann kann man ja auch dem "Wetter, dem Osten, der Mauer oder dem Leben" die Schuld geben. Hinter den Texten von Edda Schnittgard und Ina Müller steckt schon eine gehörige Portion Zynismus gegenüber allen, die stets bei anderen die Schuld suchen. Überhaupt erweist sich das Duo "Queen Bee", das man derzeit im Pantheon erleben kann, als scharfsichtig und genau beobachtend.

"Ich leg zu und Du baust ab" nennt sich das neue Programm. Da fetzen sich die "Kolleginnen" auf der Bühne, was das Zeug hält. Die Schicksalsgemeinschaft des Bühnenduos schweißt sie als Freundinnen und Feindinnen gleichermaßen zusammen. Und so fischen sie denn unter der Regie von Gerburg Jahnke aus einem höchst selbstironischen Pool der Selbstvorwürfe, gegenseitigen Anschuldigungen und größenwahnsinnigen Lobhudeleien. Die Schwächen der einen werden gegen die Größen der anderen gnadenlos aufgerechnet. Und das alles auch noch in Reimform.

Natürlich gewinnen sie der ganzen Frotzelei noch allerlei Schönes ab. Was zu einem Großteil sicherlich an der musikalischen "Verpackung" liegt. Spannungsvolle Harmonien und ein blues-lastiger Rhythmus, für den Edda Schnittgard am Flügel verantwortlich zeichnet, geben den scharfzüngigen Texten edle Würze. Melancholisch trifft die Stimme von Ina Müller den Balladenton, um anschließend im Rap ordentlich rau zu werden.

Alles andere als platt sind die Plattdeutsch gesungenen Texte, die zum Großteil Coverversionen aktueller Songs sind. Mit den Arrangements und eigenen Songs bringt das Duo, das im vergangenen Jahr in der Sparte Chanson/Lied/Musik den Deutschen Kleinkunstpreis 2001 erhielt, immer wieder seine ganz persönliche, unverkennbare Note ins Programm.

 

"Du bist die Lücke, ich bin der Füller"

"Queen Bee" im Bonner Pantheon

Von Nina Arndt

Bonn. In vertrauter Hassliebe verbunden sind Edda Schnittgard und Ina Müller, die sich zurzeit im Pantheon anzicken. So beginnt das Programm des Duos "Queen Bee" mit spritzigen Frotzeleien über die Leibesfülle der einen und die unrühmliche Vergangenheit der anderen, deren Hobby früher das Melken war. "Vielleicht bräuchtest du eine Tour-Kuh, um dich wohl zu fühlen." Schließlich endet das Wortgefecht in einem Reim-Duell: "Du bist die Schnittgard, ich bin die Müller, du bist die Lücke und ich bin der Füller!"

Aber im gleichen Maße, wie die frechen Texte das Publikum zum Lachen bringen, schaffen die klavierbegleiteten Lieder eine fast melancholische Stimmung. Die Gratwanderung zwischen blueslastigen Songs und pfiffiger Blödelei beherrscht "Queen Bee" in dem Programm "Ich leg zu und Du baust ab" perfekt.

Manche Songs möchte Edda gar nicht auf ihrem Piano begleiten, und so entbrennen immer wieder hitzige Diskussionen, bei denen schließlich entschieden wird, dass Ina, die Hobby-Melkerin, einen Melkwitz erzählen muss, dann spielt Edda auch den Blues. Der Witz artet aber leider "aus Versehen" in einen Blondinenwitz aus, was die blonde Edda dann doch nicht mehr so lustig findet. Den meisten Spaß dabei hat zweifellos das Publikum.

Wer einsteckt, darf auch austeilen. So wird musikalisch wird geklärt, wer heutzutage überhaupt Schuld an allem ist. Laut Ina, die sich singenderweise in Rage musiziert, sind neben "Mutti, dem Osten und dem Euro" natürlich auch "Schröder und die Hormone, die im Essen sind, Schuld."

In der zweiten Programmhälfte widmen sich die zickigen "Kontrahentinnen" schließlich noch hingebungsvoll den menschlichen Mitmännchen beziehungsweise den männlichen Mitmenschen und besprechen karikierend und zynisch zwischenmenschliche Beziehungen.

(13.11.2002)

Die nächsten Termine von Queen Bee:
11.-15.3.2002 Pantheon Bonn, Tel.: 0228 21 25 21

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