Kritik Tina Teubner
"ICH - um nur einige zu nennen"
vom 20.4.2002 aus dem General-Anzeiger Bonn:



Alles ist möglich

Tina Teubner singt traurige und komische Lieder im Bonner Pantheon

Von Susanne Haase-Mühlbauer

Bonn. Das Leben gewinnt für Tina Teubner mit einer Träne im Auge an Perspektive. Und es erscheint in den frechen Chansons und hintersinnigen Balladen fortan so wunderbar verschwommen, dass es nur ein bisschen traurig und melancholisch erscheint.
Die Träne im Auge kommt nämlich auch schon mal aus einem lachenden, selbstironischen Blickwinkel. Und diese Mixtur macht die einsame Party, die sie derzeit mit ihrem fingerfertigen Begleiter am Klavier, Ben Süverkrüp, auf der Pantheon-Bühne gestaltet, gleichermaßen komisch und bizarr.
Etwa so wie das Lied vom einsamen Schwan, dessen edle Grundstimmung wir alle - frei nach Saint-Saëns - im Ohr haben. Doch in Teubners privatem "Karneval der Tiere" hat der Schwan eine Stimme und sein Text passt leider nie so richtig auf die Melodie. Das ist traurig und komisch zugleich.
Ebenso die Erkenntnis, eine besondere Affinität zu Ostern zu haben, weil sie in einem vergangenen Leben eine "Häsin" gewesen sei, selbstredend aus Schokolade. Leider aber kein edles Lindt-Langohr, sondern nur eine gemeine Gubor-Häsin. So spielt das Leben einem immer einen Streich. Und das Ende ist wie die meisten ihrer Lieder: offen.
Seltsamerweise verhält es sich auch mit der Gestaltung des privaten Glücks bei Teubner wie mit ihrer Instrumentierung: alles ist möglich, sofern die Individualität nicht auf der Strecke bleibt. Und so greift sie mal zur Ukulele, spielt die dritte Stimme zum eigenen Gesang und der Klavierstimme Süverkrüps am Akkordeon oder genießt den verträumten Bogenstrich an Violine oder Säge. Dabei besitzt sie nicht nur Fantasie, sondern auch ganz eingefleischtes Stehgeigerinnen-Format.
 
(19.04.2002)

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