Kritik
6-Zylinder vom 8.12.99 aus dem Bonner General-Anzeiger:

 

MEHRSTIMMIGER BRUNFTSCHREI

Vokal-Vergnügen mit den "6 Zylindern" im Bonner Pantheon

Von Maschamay Gradion

Bonn. Ein Jäger steckt doch in jedem von uns, dachten sich die "6 Zylinder" und inszenierten ein
Programm, das wahrlich eine Sternstunde des mehrstimmigen deutschen Brunftschreies ist. Das
Sextett gastiert mit seiner A-cappella-Show "Brunftzeit" im Pantheon. Zu hören gibt es die ganze
Palette von Liebesliedern: von barocker Lyrik bis zu aktuellen Pop-Hits.

Doch die "6 Zylinder" sind auch ein Augenschmaus. Sie stehen nicht etwa stocksteif auf der
Bühne, sondern würzen ihren Vortrag mit komödiantischen Elementen und viel Bewegung. Auf der
Jagd nach dem angebeteten Stöckelwild probierten sich die sechs Profi-Sänger durch alle
bewährten Brunftschreie der Geschichte. Vom Falsett-Sopran bis zum Bass sind bei den Sechs
(Tilo Beckmann, Hermann-Josef Gerrischen, Thomas Michaelis, Nicolas Leibel, Winne Voget,
Henrik Leidreiter) alle Stimmlagen vertreten.

Der Sopranist Beckmann wandelte als Berufsverliebter durch die Strassen Roms, Gerrischen mimte
den King of Rock, und Michaelis versuchte sein Glück als Matrose. So verschieden die sechs
Männer auf der Pirsch auch sind: Wie ihre Vorbilder - die Comedian Harmonists - sind sie nur im
Gesamtklang etwas ganz Besonderes. Die Lieder, die sie anstimmten, waren nicht selbst
geschrieben wie bei ihrer Konkurrenz "Ganz schön feist" oder den "Wise Guys", dafür aber gut
geklaut. Ob es sich um schmachtenden italienischen Liebesgesang oder um Soul, Jazz oder
amerikanischen Scat-Gesang handelte: Zwischen Tirilieren, Krähen, Wiehern und Jodeln waren
bei den "6 Zylindern" alle Brunftschreie erlaubt und gekonnt.

(08.12.1999)

 

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