Kritik WISE GUYS a cappella vom 22.6.2000 aus dem General-Anzeiger Bonn: Auf Düsseldorf reimt sich nur "amorph" Neue Lieder in neuer Lautstärke: Die Kölner Wise Guys singen im Pantheon Von Gunild Lohmann Bonn. Stell dir vor, die Wise Guys singen, und keiner geht hin. Selten so gelacht: Mag auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu ihrer letzten EM-Blamage antreten, mag auch die Atmosphäre im voll besetzten Pantheon an ein türkisches Dampfbad erinnern - die Fangemeinde des Kölner A-cappella Fünferpacks ist nicht aufzuhalten. Auch nicht durch eine Düpierung der Unplugged-Puristen. Überraschend trugen nämlich die Wise Guys bei ihrem Bonner Festival-Auftritt Mikrofone, angeblich, um ihre Stimmbänder im Konzertmarathon des Sommers zu schonen. Dass diese Auskunft nur ein Vorwand war und die rheinischen "Besserwisser" insgeheim mit einer elektronisch vestärkten Zukunft liebäugeln, dagegen spricht, dass die fünf tatsächlich nicht ganz so gut bei Stimme schienen wie sonst. Dennoch: Die in Heimarbeit komponierten, arrangierten und gedichteten Lieder klingen auch mit Mischpult und Lautsprecher-groovigen Bass-Figuren gut. Das gilt für Klassiker wie "Grumpig" und "Heiße Liebe" ebenso wie für die neuen Geniestreiche: gelungene Nonsens-Poesie irgendwo zwischen Ringelnatz und Heinz Erhardt, rasant arrangiert und ohne Fehl und Tadel gesungen. Thema Frauen: "Anna hat Migräne", eine andere ist "Zu schön für diese Welt" (das ist schon einen Hip-Hop wert), die dritte wird durch ihre Herkunft disqualifiziert: "Unsere Liebe durfte nicht sein, sie kam aus Düsseldorf am Rhein." Und auf Düsseldorf reimt sich nun einmal nur "amorph". Die Wise Guys, trotz Konzertstrapazen und Hitze bestens aufgelegt, appellieren nicht nur mit einer Hymne auf Ewald Lienen und den FC-Wiederaufstieg gekonnt an den Lokalpatriotismus ihrer Zuhörer. Daniel "Dän" Dickopf glänzt mit Anmoderationen vom Kaliber eines gestandenen Comedy-Solisten, und alle fünf lassen in mimischen und choreographischen Talentproben ihren leichtfüßigen Charme spielen. "When I`m 64" wird flugs auf Kölsch und Sächsisch erweitert, Eddie Hüneke als Spitting Image von "Golden Eye"-Tina Turner ist immer wieder schön, und die stimmband-akrobatische Version von Billy Joels "Root Beer Rag" beschämt jeden Pianisten. Da waren selbst die zum Konzert gezerrten Fußballfans versöhnt. Zumal Daniel Dickopf es sich nicht nehmen ließ, die vom Tonmeister eingeflüsterten Zwischenergebnisse mit dem angezeigten Galgenhumor bekannt zu geben. (21.06.2000) |
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