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Dem Vereinsmeier ist nichts heilig
Rainer Pause und Norbert Alich
alias Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen zeigen im
Bonner Pantheon ihr neues Programm
Von Lorenz Storch
Bonn. Sie sind wieder da: Alterspräsident Fritz Litzmann und Vorsitzender Hermann
Schwaderlappen, die zwei Vereinsmeier vom fiktiven Karnevalsverein 1. FKK n.V.. Rainer Pause
und Norbert Alich stellten am Dienstag im Pantheon ihr neues Programm vor - ganz entschieden
ein Heimspiel für die beiden Kabarettisten.
"Liebe Mitglieder", beginnt der Alterspräsident mit seiner obligatorischen Begrüßung - und man
erkennt Fritz und Hermann sofort wieder. Nadelstreifenhose und Smoking, Blume im Knopfloch, die
Haare mit Unmassen von Pomade zurückgestriegelt. Die dicken Brillen, die verknautschten
Gesichter mit den immer wieder unvermittelt gebleckten Zähnen, die verkniffene Haltung. Im
Endeffekt wirken die beiden gleichzeitig rührend unbeholfen und abstoßend bieder. Eine
schillernde Mischung. Vor allem Rainer Pause bleibt unnachahmlich, wie er mit seinen scheinbar
viel zu langen Gliedmaßen und stets fahrigen Bewegungen auf der Bühne steht. Auch seine Zunge
hat er als Fritz Litzmann nicht so richtig unter Kontrolle, verhaspelt sich, lässt Satzenden lose in die
Luft hängen und gibt so immer wieder Anlass zu herrlichem Sprachwitz.
Und wer so schusselig ist, dem kann man doch eigentlich nichts übel nehmen. Pause und Alich
nehmen sich die Narrenfreiheit, und sie schrecken vor keinem Sakrileg zurück. Da kommt der
Alterspräsident mal eben von Milosevic auf Millowitsch ("Naja, den haben sie ja nicht von der
Bühne gebombt, ist dann doch anders gekommen . . ."), und sie lassen es sich auch nicht nehmen,
ein paar herzhafte Witze auf Kosten des unlängst verschiedenen Rex Gildo zu reißen. Daneben
fallen die Jesus-Gags dann schon fast nicht mehr ins Gewicht, und der Vergleich zwischen Joschka
Fischer und Adolf Hitler ist vergleichsweise harmlos. Diesen Leuten ist definitiv nichts heilig.
Aber mit ihrem "Tut uns Leid"-Programm entschuldigen sie sich ja auch bei so gut wie allen
notorischen Opfergruppen: Schwule, Alt-68er, Ossis und Frauen, bei allen kriechen sie zu Kreuze,
um kurz vor der Jahrtausendwende noch einmal das Gewissen zu entlasten. Überflüssig zu
erwähnen, dass sich Fritz und Hermann mit jeder unbeholfenen "Entschuldigung" tiefer in den
Schlamassel reden. Echte Höhepunkte im Programm stellen die zahlreichen Lieder dar. Mit
beachtlicher Stimmgewalt singen die beiden Kabarettisten auf die Melodie von alten Klassikern
solche Dinge wie "Give Pils a Chance" oder (mit ganz viel Gefühl) "Im Verein bist du niemals
allein". Rainer Pause und Norbert Alich treten seit mittlerweile fast zehn Jahren zusammen auf, die
"Tut-uns-Leid-Tour" ist ihr fünftes gemeinsames Programm. Trotzdem hat sich ihre Masche nicht
totgelaufen. Im Gegenteil, sie harmonieren einfach prächtig, verstärken sich beim Spielen und
Singen jeweils gegenseitig - manchmal wirken sie dabei schon fast wie ein altes Ehepaar. Und zu
Herrn Litzmann und Herrn Schwaderlappen passt das eigentlich hervorragend.
(17.11.1999)
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