Kritik aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 18.11.1999:

Fritz und Hermann
Endzeitstimmung: Es tut ihnen leid
Turbulente Beichtstunde im Pantheon - Hoffen auf Vergebung
der Sünden


Von Günther Beyer

Bonn - Es tut ihnen unendlich leid. Entschuldigung. Für zehn Jahre
Schimpfe auf die Ossis. Für Schröder. Für die Rheinische Republik. Für
chauvinistische Ausfälle im Verein. Und ach: "Mit einem kompletten
Satz Hoden Sopran singen - es geht nicht". Verzeihung. Fritz und
Hermann liegen am Boden. Alles falsch gemacht, nichts geschafft.
Bleibt Sack und Asche, Reue und Demut. So ziehen sie jetzt durch die
Lande, der Vorsitzende und der Alterspräsident des 1. FKK Pantheon.

Hermann Schwaderlappen und Fritz Litzmann, Norbert Alich und Rainer
Pause also, sind auf ihrer "Tut-uns-leid-Tour". Es ist ein einzig´ Barmen.
Jeder Hieb der Flagellanten ein erschütternder Treffer. Was lesen wir
über die Selbstgeißelung, dieses bis zum Abend des Dienstag
verschüttet gewesene Brauchtum des Mittelalters? Flagellantismus:
"Dient auch in aktiver und passiver Form der sexuellen Erregung. In ihrer
masochistischen Ausprägung (Flagellomanie) zählt F. zu den sexuellen
Perversionen."

Aha. Haben wir´s doch geahnt, debile Lustmolche, die ihr seid,
Krankenkassenbrillen-Träger der Sorte SM. Nicht die Bohne tut ihnen
leid, alles Camouflage. Nehmen wir Wolfgang Joop, oder - noch besser
- Guido Westerwelle. Die sagen der entzückten Öffentlichkeit: "Je ne
regret rien". Lothar Matthäus sagt: "I look not back, I look in front".
Wieder falsch, Lothar.

Die Vergangenheit ist die Zukunft. Jetzt, vor dem Schritt ins nächste
Jahrtausend (kann auch sein in den nächsten Tag), müssen wir
erkennen, dass sich nichts und niemand ändern wird. Fritz nicht,
Hermann nicht, Gerhard nicht. Joschka ist binnen kurzem derart
abgebürstet, dass ein weiteres Pealing nicht möglich ist.

Moment: Vergangenheit, die jüngere. Da war doch wer, der uns neulich
wieder erschienen ist? Hannes Heer, richtig. Der jetzt seinen schütteren
Schopf gezopft trägt. Und ähnlich Fritz & Hermann vorauseilend Buße
tut für mögliche Irrtümer der "Wehrmachtsausstellung". Nicht für
zerdeppertes Mobilar im Alten Rathaus bei dessen Erstürmung zu
Bonner Studenten-Tagen. Sollte ihm aber leid tun. Meinen auch Fritz &
Hermann. "Tut-mir-Leid-Tour" auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad rund den
Bonner Krötenteich. Das würde es bringen.

Genug gegeißelt? Nicht doch. Millennium ist. Das Datum, "für das Jesus
extra gestorben ist", weiß Hermann Schwaderlappen. Und für Bärbel
Dieckmann, Konrad Beikircher, das Orchester der Beethovenhalle, das
Internationale Congress-Zentrum Bundestag und Ludwigs Neunte. Nur
ein Vorschlag der Ergänzung.

So geht es dahin in Erwartung der Endzeit im Bonner Pantheon, das
dank Fritz & Hermann zur Hochburg der Flagellanten-Bewegung
geworden ist. Nie so gern geschlagen worden. Die verdiente Abreibung
kann sich jeder bis zum 23. November (ab 20 Uhr) abholen. Dann
wieder vom 20. bis 22. Dezember. Peitsche nicht vergessen.
KStA

 

 

 

 

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