HEINRICH PACHL

Die PANTHEON-Internet-Kolumne

Foto von HEINRICH PACHL

HEINRICH PACHL ist mit seinem neuen Kabarettprogramm "Die Spur der Scheine" am 1.9.2010 im Pantheon zu erleben


WESTERWELLEN
(November 2009)

STUDENTENPROTEST
(November 2009)

GELD VERBRENNEN /ACKERMANN UND JEDERMANN
(Oktober 2008)

EIN WEISER MIT KARACHO
Der Kabarettist Heinrich Pachl über den Weggang eines großen, inspirierenden Kolleg
en: Hanns-Dieter Hüsch
(6.12.2005)

Bush-Büttenrede
(Februar 2002)

Kinder kosten meine Nerven
(8.4.2001)

Deutsches Dienstleisterlied
(20.+26.6.2000)

 

WESTERWELLEN

Wellen gibt’s jede Menge, die Reisewelle, die Fresswelle, die Häuslebauer-Welle, dann natürlich auf dem Meer die Riesenwelle, im Autobau die obenliegende Nockenwelle, im Stadion die La-Ola-Welle, für die Frisur die Lockenwelle. Und in der Politik? Da gibt’s die Westerwelle. Im Unterschied zur obenliegenden Nockenwelle, die mechanisch funktioniert und der La-Ola-Welle, die per Ekstase daherkommt, arbeitet die Westerwelle mit sprachlichen Mitteln und wird – um das Wort „Großmaul“ zu vermeiden - von der
Phrasendreschmaschine Guido in Schwingung versetzt. Wir unterscheiden hier unterschiedliche Frequenzen. Die unterste ist der Kalauer in Form der Wortverdrehung, zum Beispiel „Die einen wollen Volkseigentum, wir wollen ein Volk von Eigentümern.“ Die Funktionsweise dieser Westerwelle ist der Schwapp als einfacher Rückschwapp, d.h. die Aussage schwappt e hin - „Volkseigentum“ – und dann zurück: „Volk von Eigentümern“. Der Empfänger solcher Westerwelle erlebt eine schlichte Schaukelbewegung, die aber den Verstand durchaus ins Wackeln bringen kann. Eins Stufe raffinierter ist die Westerwelle, die einen mit ihrer Pseudologik verschaukelt, zum Beispiel: „der Staat ist nicht der bessere Banker, er hat nur mehr Geld.“ Mit dieser Westerwelle kann der Phrasengenerator Guido bereits leichten geistigen Schwindel erzeugen, für den es aber ein schnell wirksames Gegenmittel gibt, die sogenannte Analogie. „Das Auto ist nicht das bessere Fahrrad, es hat nur vier Reifen.“ Damit zerbröselt diese Hirnverletzung schnell in ihre blödsinnigen Bestandteile und verliert ihre Wirkung. Richtig raffiniert wird es bei einer Westerwelle wie „Leistung muss sich wieder lohnen“, aufgewärmt in Guidos Reform-Fassung „Arbeit muss sich wieder lohnen“ mit der Intim-Steigerung „Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen“. Da muss das Opfer heftiger reagieren, um nicht geistig abzusaufen. Aber auch gibt’s ein einfaches Gegenmittel mit der Frage „Für wen lohnen? Und wie? “ Schon erweist sich diese Westerwelle als dünnpfiffige Luftblase. In einer Kombination von ruppig raffiniert kommt dann aber der berüchtigte Westwellescher Kawenzmann „Mehr netto vom Brutto!“ und schlägt als harte Brandung ins geistige Kontor, macht erst mal willenlos und erfordert geistiges Rückrudern. Suggeriert wird, „ich habe mehr netto“, gemeint ist aber, dass der Arbeitgeber weniger Sozialkosten zahlen braucht mit dem Effekt, dass ich privat zulegen muss, habe also mehr netto, aber auch weit mehr Abgaben und stehe am Ende weitaus schlechter dar. Bei soviel Unsinn muss Phrasendrescher Guido auch mit hohem autosuggestiven Aufwand arbeiten, so dass man glaubt, er glaubt es salbet nach dem alten Motto „Wer nicht in der Lage ist, sich selbst zu belügen, hat nicht die sittliche Reife, andere zu verarschen“
Viel Spaß mit Guido!


Studentenprotest - Moderator ....Sie als Uralt-68er – was sagen Sie dazu?

UR68ER: Sehr gut, aber sehr spät, aber besser jetzt und überhaupt als immer noch nicht.
Aber hätte viel früher kommen müssen, man hätte eigentlich nach 68 gar nicht aufhören dürfen. Denn eins ist doch klar: die Studenten von heute müssen ausbaden, was die Studenten nach uns, also ihre Eltern, verpasst und vermasselt haben, also die, die uns, den Apo-Opas, vorgejammert haben, sie wollten nicht so werden, wie wir. Und was wurden sie? Angepasste Halbspießer, Studierstuben-Hocker mit nur Karriere im Sinn. Und was kam aus ihnen raus?
Generation Golf. Also die haben doch den Studenten von heute die geistige Suppe eingebrockt, die jetzt mühsam wieder ausgelöffelt werden muss. Ich habe immer gesagt: Permanente Revolution – dann wären wir weiter, dann hätten wir Unis für umme und alle, da gibt’s überhaupt kein Vertun. Und die Tricks, mit denen derzeit abgewimmelt wird –Asbach Uralt, schon eine Unverschämtheit für sich! Erst kommt, wie immer, die Bitte-so-nicht-Taktik: Eure Forderungen sind ja berechtigt, aber bitte nicht mit Gewalt! Ein klassischer Spaltungsversuch, und wenn der nicht hinhaut, kommt mit verstärktem Verwirr-Faktor die sogenannte „Karren-Spann“- oder auch „Suppen-Koch-Taktik“ ins Spiel, die da lautet: Lasst euch nicht vor den Karren spannen von denen, die auf eurer gerechtfertigten Empörung nur ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Wenn das nicht einschlägt und Protest und Forderungen in den Medien auf Sympathie stoßen, wird die „Wir haben verstanden“ oder „Druck-aus-dem-Kessel-Taktik an die Front geworfen: BAFÖG soll erhöht werden, verkündigt man, und das sei bereits in der Planung. Ganz fauler Zauber, mit dem der Spaltungsfaktor potenziert wird, weil dieses scheinheilige Entgegenkommen immer mit Gegenforderungen gekoppelt wird: Demos aufhören und Hörsaal-Besetzungen abzubrechen. Weil: unter Druck würde nicht verhandelt.
Billig aber gefährlich. BAFÖG wird erhöht, aber – hallo - um wieviel und wann? Eben! Pseudo-Zusage ohne Inhalt und Termin - ein
unverschämter Trick mit Bart, den man von der Methode „Zoo-Fütterung“ geklaut hat. Also der sogenannte Seehund-Effekt: Der Wärter kommt mit dem Blecheimer ans Becken und klappert, und das reicht, um die Robben in Leistung zu versetzen, so dass sie durch die Reifen springen, Bälle jonglieren und Küsschen geben, auch ohne einen Fisch zu kriegen. Deswegen auf 68 hören und die alte Regel beachten, die da lautet: „Den Feind strategisch verachten aber taktisch ernst nehmen.“
 

GELD VERBRENNEN

Was ist die Grundfunktion der Bank: die Bank bringt Geld von denen, die es haben, zu denen, die es brauchen, damit die, die es haben, von denen, die es brauchen, so schnell wie möglich noch mehr haben. Und nun hat man sich gesagt, die, die es brauchen, brauchen zwar die, die es haben, aber die, die es haben, brauchen, damit sie mehr haben, nicht mehr die, die es brauchen. Warum? Gute Frage! Weil: das ist nur ein Umweg, auf dem das schnelle Geld unnötig gebremst wird.
Damit nun das Geld ohne Stop und rote Ampeln kreuzungsfrei auf Touren kommt, kriegen die, die es brauchen, also das Geld, die kriegen dieses Geld gar nicht mehr, sondern die, die es haben, nehmen denen, die es brauchen, das Geld ab, was sie schon zum Teil bezahlt haben und machen es direkt zu ihrem Geld, damit sie, die es schon reichlich haben und eigentlich nicht mehr brauchen, noch mehr haben, denn das brauchen sie, weil die nur dann was von ihrem Geld haben, wenn sie immerimmerimmer mehr davon haben.

Klingt erst mal absolut logisch – aber, ob das klappt?
Das ist jetzt die große Frage, und ob das tatsächlich klappt, darauf wird gewettet, dafür werden demzufolge Wettscheine ausgegeben, sogenannte
Derivate.
Aber ob das jetzt wieder klappt?

Wetten klappen eigentlich immer, das erleben wir beim Pferderennen. Und da gilt: je weniger Gewinner, desto höher der Wettgewinn, aber desto umsomehr Verlierer.
Das kann also eigentlich ja nur klappen.Aber, wo denken Sie hin – hier natürlich nicht, den Geld ist ja kein Pferd. Sowas kann nie klappen. Warum? Weil: So wie Waschmaschinen keine Waschmaschinen kaufen können, sondern Kunden brauchen, die die kaufen können, so kann sich Geld auch nicht durch Geld mit dem Geld vermehren und verzinsen, das noch gar nicht verzinst ist. Auch logisch – oderr?

Und die Rechnung, daß die, die das Geld brauchen, es nicht mehr bekommen und man ihnen auch noch ihre Habseligkeiten, die sie teilweise abgestottert haben, aber eben noch nicht ganz, billigst abnimmt, um die dann wieder mit Gewinn zu verkaufen – können Sie noch folgen? – das geht ja auch nur, wenn die, die das dann kaufen könnten, das Geld bekommen, das sie zum Kaufen brauchen, das sie aber gar nicht mehr kriegen, weil man dachte, daß man sie gar nicht mehr brauchen muss. ...

Und dann darauf zu wetten, dass das klappt, das kann eben überhaupt nicht klappen, weswegen jetzt – völlig logisch - alles zusammenklappt. Aber so ist es eben im
Turbo-Kapitalismus. Und jetzt? Gute Frage! Abschaffen? Wie bitte? Kapitalimus abschaffen? Um Gottes Willen! Sind Sie wahnsinnig? Sondern? Gute Frage! Retten- natürlich! Den Kapitalismus retten! Dazu gibt es keine Alternative – oder wissen Sie eine? „So auf Anhieb jetzt auch nicht..“ Da ham Sie’s! Also - retten! Und wie? Sehr gute Frage! Indem die, die das Geld nicht mehr haben, diejenigen, die das Geld verzockt haben, retten, und zwar mit den Steuermitteln, die sie bezahlt haben, als sie das Geld noch hatten, und denen, die das Geld haben, jetzt so unter die Arme gegriffen wird, dass sie, weil es aber verzockt haben, weitermachen können.Also - alles beim Alten...Ja was denn sonst, wenn nicht mal Sie eine Alternative haben. Oder wollen Sie den Kommunismus?


ACKERMANN und Jedermann
Jedes gute Drama hat einen fiesen Schurken und einen dreisten Narren, und auch in dem starken Stück, das uns derzeit als „ Krampf ums Goldene Kalb“ zugemutet wird, hat sich zum zentralen Übel-täter ein tapsiger Tolpatsch gesellt. Der Schuft vom Dienst hört auf den Namen Ackermann und spielt im Derivaten- und Dividenden-Drama den Feldherrn, den
Generalissimus des Geldes, und der kauzige Klamottenkomiker scheint eine gespaltene Persönlichkeit zu sein, die sich einmal Sodann nennt, sodann aber auch mit dem programmati-schen Namen „Ehrlicher“ auftritt. Ein Spaß-Spießer, der die Pointen-Potenzen von Tünnes und Schäl zusammen in seiner Person vereint und es geschafft hat, den Schurken Josef Ackermann mit populären Primititiv-Pointen auf die Palme zu bringen. „Als Kommissar Ehrlicher würde ich, wenn ich Präsdient werde, Herrn Ackermann gerne verhaften “, lautete die erste Spaßnummer des Satire-Sachsen, mit der er den Master of Universe Ackermann aber sowas von aus dem Stand heraus bis ins Mark getroffen hat – das war wie „Tells Geschoss“, könnte man sa-gen - und den Banken-Boss, den Landvogt Geßler des Geldes zu einer Antwort zu provozieren konnte, die auch saukomische Qualitäten hat: „Wenn einer hier sowas sagen darf, dass er mich verhaften will,, dann habe ich Angst um Deutschland.“ Darauf muss man erst mal kommen: Wenn Ackermann verhaftet wird, wer hat dann Angst? Deutschland! Mensch Ackermann! Muss man dir jeden Witz erklären? War doch ein Scheeeerz! Mit einer durchschlagenden Wirkung allerdings, auf die andere Kabarettisten, und ich kann mich das nicht ausnehmen, neidisch sein müssen.

Die andere Power-Pointe vom Präsidentschafts-Kandidaten-Komiker war dann wesentlich tiefgründiger: Ich glaube nicht, dass Deutschland eine Demokratie ist. Da hat nicht nur Ackermann aufgejault, das Echo auf diese geistige Platzpatrone kam tausendfach aus allen politischen und wirtschaftlichen Ecken – also auch hier ein Volltreffer vom verschmitzen Schalk aus Halle. Denn gerade die Vertreter von Neoliberalismus und Globalisierung, die den Staat, und damit die Demokra-tie auf ein Minimum zurückstauchen wollen und dies auch immer theoretisch und öffentlich propagiert haben, fühlten sich jetzt wohl zumindest teil-entlarvt. Deutschland keine Demokratie? Auf sowas gehört Gefängnis! hört man schon die Forderungen tönen. Mit anschliessernder Sicherheitsverwahrung. Oder am besten Sodann oder Ehrlicher gleich in die Klapsmühle, in die Abteilung gespaltene Persönlichkeiten. Sehr gut, Wahsninn! Denn damit steht uns der Höhepunkt dieser Kombination von Drama und Klamotte noch bevor. Sodann wird, nachdem er als Ehrlicher den Ackermann verhaftet und in den Knast gesteckt hat, selbst wegen seiner landesverräteririschen Überzeugung (siehe Hinterpommernlüge) eingebuchtet – rechtzeitig, bevor er als Präsident in den Schutz der Immunität gerät, und landet sodann - wie es das geniale Drehbuch will – in derselben Zelle, in der der Geld-Guru Ackermann schon einsitzt. Und wir sind mit Ehrlicher fernsehmäßig dabei: Big-Brother-TV auf höchstem Niveau. Sodann – weiter so!


 

Ein Weiser mit Karacho
Hanns Dieter Hüsch war schon lange verstummt. Leider. Jetzt ist er ganz heimgegangen. Es ist ein langer Abschied geworden, und sein Glaube, zu dem er sich immer bekannte, wird ihm in seinen letzten Jahren geholfen haben. Denn aufhören wollte er nie. Er war ein Besessener. Ein Wanderer, ein Prediger, ein Komödiant, ein Listiger, ein Lieber, ein Freund, ein Kugelblitz, ein Weiser mit 10.000 Volt Spannung.

Überlegt man, wie wahnwitzig lange er Kabarett machte, ist man fassungslos vor dieser Weite. Und dass er doch immer weiter machen wollte in einer Mischung aus Trieb und ungebändigter Lust, mit einer unglaublichen Energie, mit der er auch die ersten Angriffe seiner Krankheit zurückschlagen konnte. Ein Satiriker, der es geschafft hat, einen großen Bogen über drei, vier Generationen von Kabarettisten zu schlagen. Wem gelang das sonst? Dieter Hildebrand noch, mit ihm war er ja auch sehr befreundet.

Imposant ist Hüsch also auch als Zeitzeuge, dies schon ab der unmittelbaren Nachkriegszeit. Er hat nicht nur Kabarett-Geschichte, sondern mit Kabarett Geschichte geschrieben. Von den Trümmerlandschaften nach '45 über den Muff der Adenauer-Zeit inklusive Remilitarisierung und Wiederbewaffnung zu den Aufbrüchen der 60er Jahre, an denen er ja vehement mitgewirkt hat, um dann aber von Zumutungen und auch Verletzungen der 68er nicht verschont zu bleiben.

Aber dann ein neuer Anfang und Aufbruch. Hanns Dieter Hüsch hat gezeigt, geschrieben, gespielt und beschrieben, wie man überlebt und weiterlebt, wie man die vielen mittlerweile längst geschichtlichen Umbrüche verarbeitet, bearbeitet - und beeinflusst. Mit einer Vielfalt künstlerischer Mittel: Kommentar, Attacke, ironisches Anspiel, auch verletzte Abwendung und lyrische Schwebezustände. Und dann vor allem irgendwann der Aufbau eines autonomen Kosmos' - der Welt von Hagenbuch.

Deren Wahnwitz und Irrsinn war nun wirklich von keiner flauen, dummen oder katastrophalen Wirklichkeit mehr zu beeinträchtigen oder einzuschüchtern. Und mit Hagenbuch war dann auch noch lange kein Ende. Hanns Dieter Hüsch hat sich immer wieder neu suchen und positionieren müssen und auch wollen, er hat bewiesen und vorgeführt, wie man man sich selbst treu wird und dadurch bleiben kann. Damit waren seine Auftritte wie Medizin gegen Infektionen aus beiden Richtungen, sowohl gegen Resignation als auch hilflose Wut und hektisch-ratlose Aufregung.

Also ein Weiser mit Karacho. Seine Stilmittel waren entsprechend differenziert. Wer hat es schon wie er hingekriegt, mit soviel Sprechtempo solange die Beobachtung über einem Punkt, einer Person, einer Situation kreisen zu lassen? Als Weltbürger hat er dabei die wesentlichen Erkenntniskräfte aus seiner Herkunft und Heimat, der Welt am Niederrhein, gezogen, ohne jemals in Gefahr provinzieller Heimatverehrung zu geraten. Im Gegenteil hat er verdeutlicht, wie provinziell die große Welt war, und um wie viel weiter in Verständnis und Exstase seine schwarzen Schafe lebten.

Mit dieser Kombination von Stilmitteln und Denkungsart hat er den Reichtum seiner Schaffenskraft schon früh zu Lebzeiten weitervererbt. Generationen von Kabarettisten waren durch ihn inspiriert und ermutigt, und man hat lange bei vielen den Ton des Urhebers herausgehört. Was ihn gefreut hat. Was auch uns hilft, den Schmerz über seinen Weggang besser zu bewältigen. Und so süchtig wir nach dem Erlebnis seiner Auftritte waren, so sehr ist er schon seit langem Teil von uns geworden. Und da bleibt er - da kann sein Tod so viel gar nicht mehr ändern.

Er ist zwar nicht mehr da, aber weg ist er bei weitem nicht. Er ruhe sanft, denn im Satirikerhimmel wird er nicht viel Ruhe finden, wenn Wolfgang Neuss, Kay und Lore Lorentz, Matthias Beltz und all die anderen dort oben ihn erst mal zur Begrüßung auf die Schippe nehmen. Tschö, Hanns Dieter!



 

BUSH-BÜTTENREDE

Gestern ruft mich Toni an
und sagt: George Dabbeljuh, bald sind mir zwei dran.
Ich weiß, sag ich, die woll’n uns töte
mit Messer, Bombe und Rakete! TUSCH
No, sagt mir da der Tünnes Blair,
es geht um Orde und um Ehr’
In Oslo ham die sich für uns entschiede.
Ich frag: für was?
Ja für de Fridde! TUSCH
Mensch Toni, sach ich, mach kein Scheiß!
Doch, mer werde Träger vom nächste Nobelpreis TUSCH
Tünn! Erzähl mir keine faulen Witze
Doch, s’is wahr! Ja dann sag ich, in des ja ist Spitze!
Endlich hat man uns begriffe,
endlich wird nicht mehr gekniffe.
Wer hat denn zu uns so ’ne tolle Haltung?
Lauter gute Leute wie zum Beispiel der Friedensforscher Galtung. TUSCH
Und, sagt der Toni mir doch glatt,
daß der Preis eine Bedingung hat.
Mer solle weiter Friede schaffe,
Doch die Belohnung gibts nur ohne Waffe.
Für die Jagd auf Terroriste gibt man uns die beste Note,
was sie stört, sind halt die Tote. TUSCH
Blair, sag ich, ich glaub, ich spinne!
Wie wolle die denn einen Krieg gewinne?
Wo man hobelt, fallen Späne
Wenn jemand stirbt, dann gibt es Träne,
Und das weiß selbst die dümmste Kuh:
Im Friedhof ist die meiste Ruh. TUSCH
Ich glaub, ich krieg en Rappel!
Ham die Herren ein’ am Appel?
Doch mit meinem Adler-Blick
durchschaue ich den Trick zum Glück.
Oder wolle die uns foppe?
Doch bevor ich mich mit dene kloppe,
nehm ich diesen Preis mitnichte
auf solche Ehr’ kann ich verzichte!
Und wegen dene paar Monete,
verzicht’ doch ich nicht auf Rakete! TUSCH
Und das sag’ ich heut’ an alle:
für de Fridde müsse Bombe falle!
Laßt uns jetzt von ganzem Herze
Taliban und Terroriste merze.
Denn jetzt gehts weltweit zur Sache,
und bevor die uns fertig mache
Im Name von ih’rm Allah,
schicke mir sie vorher nach Walhalla! TUSCH

 

 

Kinder kosten - meine Nerven…

Haben Sie das gelesen? Armut durch Kinder! Und wer keine hat, verdient zuviel und soll mehr in die Pflegekasse geben, und die Rentenkasse? Und die Krankenkasse? Ich habe mehr zum Leben, weil ich keine Kinder habe, für die ich Geld ausgeben muß? Wer sagt das denn? Ich hab das ganze Geld, was ich nicht für eigene Kinder ausgebe, in das Haus hier gesteckt, das ist mein Kind. Und wegen der öffentlichen Wohnbau-Förderung wohnen lauter kinderreiche Familien drin. Dann habe ich noch einen
Rasenmäher und einen Staubsauger, und damit habe ich Krach genug. Nur: Wenn ich den Stecker rausziehe ist Ruhe, das ist der Unterschied zu den Kindern hier, die nicht schlafen gehen, wenn es an der Zeit ist. Und das geht auf meine Kosten und Nerven. Und die Zeit, in der die halslosen Ungeheuer zum Schlafen gebracht werden, ist für mich tot, da kann ich meine Wohnung vergessen, da werde ich vertrieben, da bin ich im Exil draußen vor der Tür. Aber das wird nicht verrechnet. Und mit gutem Grund, denn dann käme nämlich raus, daß ich als Kinderloser nicht ab-geben sondern - im Gegenteil - bekommen müßte. und nicht zu knapp. Aber darüber wird natürlich geschwiegen. Was zum Beispiel? Schallschutz- erstens, dann Ferien zur Erholung und Kuraufenthalt mindestens einmal im Jahr zum Ausbessern meines Nervenkostüms, dann: Ausgleich für die Minderung des Wertes meiner Wohnung. Allein was ich an Schmerzensgeld fordern könnte, wenn ich vor der Menschenrechtskommission der UNO klage für die tägliche Folter, Ungerech-tigkeit, die ich erleiden muß. Denn die Eltern freuen sich an ihren eigenen Kinder, während ich sie alle erleben ertragen muß, obwohl es nicht meine sind. Und dann wird behauptet, deutsche Kinder sind notwendig, damit die , wenn sie mal im Berufsleben stehen, über ihre Sozialabgaben unsere und damit auch meine Rente zahlen. Als Generationsvertragspartner! Nur die wissen anscheinend gar nichts von ihrer Lebensaufgabe. Rein statistisch gesehen: von zehn Blagen, die hier rum-wimmeln, kriegen in 10 - 15 Jahren doch höchstens vielleicht noch drei einen Job, und davon verdienen höchstens zwei soviel, daß davon was für meine Rente abfällt. Die können sich tagsüber keine zehn Minuten konzentrieren, aber dafür frech wie Rotz, gehorchen noch nicht mal ihren Eltern, wie wollen die jemals Anweisungen in der Fabrik oder im Großraumbüro kapieren oder befolgen? Das ist Volksbetrug. Die sind vielleicht manchmal niedlich gewesen, aber volkswirtschaftlich gesehen ein Flop, für die ich die Sozialhilfe und den Drogenentzug zahle.
Das ist ein Generationensperrvertrag mit fauleren Regeln als beim
Kettenbrief. Also: Kinder kosten nicht die Eltern, sondern die andern, und wenn jemand in Karlsruhe auf die Sahne haut, dann ich von der Sammlungsbewegung deutscher Singles.

 

DEUTSCHES DIENSTLEISTERLIED

Wir sind die Dienstleister der Nation,
wir arbeiten hart bei niedrigem Lohn.
wir sind genügsam, fleißig und dumm
und legen uns für Almosen krumm.
Wir dienen, wir dienen.

Wir stellen rund um die Uhr die Weichen,
wir vergraben acht Stunden täglich die Leichen,
wir putzen dem Invaliden den Arsch,
wir blasen dem Minister zum Abschied den Marsch.
Wir dienen, wir dienen.

Wir tippen Briefe auf die Diskette.
Wir bringen dem Kranken die Pillen zum Bette.
Wir schrubben und bohnern Ministerpaläste,
chauffieren die Chefs und bewachen die Knäste.
Wir nieten und nähen und hämmern und hacken,
wo andere Dukaten aufs Konto kacken,
wir dienen, wir dienen.

Und wenn Ölpreis steigt und Ölscheich grinst,
und sich Benzin noch mehr verzinst,
wir zahlen die Preise, sind brav und bescheuert,
von uns wird jeder Pfennig versteuert.
Wir dienen, wir dienen.

Der Shareholder reibt sich fröhlich die Hände.
Gespart wird immer an unserem Ende.
Nie der Minister, höchstens der Kranke
lobt uns und sagt uns auch einmal Danke.
Wir dienen, wir dienen.

Die einen verdienen, wir aber dienen,
die vernaschen den Honig, denn wir sind die Bienen.
Wir sind die Dienstleister der Nation,
und unser Lohn bleibt Spott und Hohn.
Wir dienen, wir dienen.

Wir woll'n doch nicht viel, denn vor allem zu Pfingsten
sind Lohnsteigerungen in Deutschland auch am geringsten.
Doch statt uns zu wehren, wenn man uns bescheißt,
beten wir lieber zum Heiligen Geist
und dienen und dienen.

Wir sind das Letzte, doch so kann's nicht enden.
Uns beißen die Hunde, doch das wird sich wenden.
Wir lassen uns nicht weiter bescheißen.
Schluß mit dem bellen, jetzt selber beißen.
Wir wir sie dann betten, so werden sie liegen,
und wenn wir dann streiken, dann werden sie kriegen,
was sie ver - dienen, was sie ver - dienen!

 

 

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