Gerhard Polt kann etwas, was neben ihm kaum jemand beherrscht. Er ist ein Menschenpräparator. Mit minimalen Mitteln, einem Stirnrunzeln, einem Hüsteln, einer vorgeschobenen Unterlippe, einer etwas gequetschten Stimme gelingt es ihm, den ganzen Kosmos einer Figur zu öffnen, mit all ihren Wünschen, Sehnsüchten, Abartigkeiten und Abgründen.
Sein Geheimnis ist: er kommt von innen, aus dem toten Winkel. Deshalb kann man sich gegen seine Figuren nicht wehren. Sie benutzen das Publikum wie einen Resonanzboden, es hört in sich selbst diese Figuren nachklingen, mit all ihrer Schäbigkeit, die meist nur ihre tiefe Ratlosigkeit bemänteln.
Er hat das Erbe von Karl Valentin und die Kunst von Dario Fo verschmolzen, daraus etwas ganz Eigenes, Neues geformt. Von Valentin das Bestehen auf einer Logik, die sich nie globalisieren lassen wird, und von Fo die Kunst, Figuren der herrschenden Klasse - und dazu muß man heute nicht erst nach Schröder und Stoiber das Kleinbürgertum absolut dazurechnen - lachbar zu machen und ihnen damit das Unnahbare und uns die Angst vor ihnen zu nehmen.
Ansatzlos schlüpft er in die Haut seiner Bühnenfiguren und aus dieser ungewöhnlichen Perspektive gelingen einzigartige Momentaufnahmen aus dem Innern des Bestiarium Humanum. Und ebenso schnell verläßt er seine Beutetiere wieder und sie bleiben entblößt vor uns stehen.
Wir, sein Publikum, staunen immer wieder, wie genau gearbeitet die menschlichen Ungeheuer sind, die so nett und harmlos daherkommen. Nur Polt kann sie so zur Kenntlichkeit präparieren, ohne ihnen dabei ein Haar zu krümmen. Für diese Kunst erhält Gerhard Polt den Ehrenpreis des PRIX PANTHEON in der Kategorie Reif und Bekloppt.
Herzlichen Glückwunsch!
(Auszüge aus der Laudatio)
Die Jury des Prix Pantheon
Auftritte im Pantheon am 28.-30.3.2011