|
Was macht ihn aus, den gemeinen Franken? Sturköpfig soll er sein, eigensinnig, ein wenig hinterfotzig, aber auch aufrichtig, und stets auf der Suche nach seiner Idendidäd.
Der geborene Würzburger Frank-Markus Barwasser war ursprünglich Zeitungsredakteur und Reporter, bis er durch eine Radiosatire auf die schiefe Bahn geriet und so zu seiner Identität fand. Er entwickelte mehrere Figuren: den nörglerischen Akademiker Dr. Göbel, den etwas minderbemittelten Proleten Hartmut, und eben - Erwin Pelzig.
Die Figur des Erwin Pelzig verwirrt auf den ersten Blick: Da steht ein anachronistisch anmutender Mann im Trachtenanzug mit Cordhut und Herrenhandtäschchen auf der Bühne. Freundlich-verbindlich beginnt er zu fränkeln - und der Pelzig-Neuling braucht eine Weile, bis ihm klar wird, was der kleine Mann auf der Bühne da eigentlich von sich gibt. Denn er erweist sich schnell als Baumeister absurder Gedankengebäude, die bald in Schwindel erregende Höhen wachsen. Und gerade die Überraschung darüber lässt Pelzigs unberechenbare Botschaften besonders tief einsinken. Globalisierung und das nachbarliche Blumenbeet, Philosophisches und Zwischenmenschliches - kein Thema ist ihm dabei zu groß oder zu klein.
Und so trat Erwin Pelzig seinen Siegeszug ins deutsche Bewusstsein an: Zuerst auf der Bühne, später im Fernsehen, wo er in seiner Satire-Talksendung Pelzig unterhält sich seine Gesprächspartner oft sprachlos macht oder sie zu ungeplanten Äußerungen treibt, und zu guter Letzt im Kino, mit dem wunderbaren Film Vorne ist verdammt weit weg, in dem er sich leicht und melancholisch des sperrigen Themas der Börsenmechanismen annimmt.
Der Anarchist im Gewand des Biedermanns kann den Leuten problemlos alles Mögliche um die Ohren hauen - ihm nehmen sie ab, was sie anderen sehr übel nehmen würden. Denn die Menschen spüren, dass der Kleinbürger Pelzig sie liebt und von ihnen geliebt werden will - doch das gelingt ihm nicht immer.
Auf Pelzigs Wesen angesprochen sagt Frank-Markus Barwasser: Er meint es gut mit der Welt, verweist dann aber auf Gottfried Benn, der sagte: Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern gut gemeint.
Und genau das ist Erwin Pelzigs Dilemma - und unser Gewinn.
Die Jury des Prix Pantheon
|
|