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Jürgen Becker erhält den Prix Pantheon 2006 in der Kategorie reif und bekloppt.
Warum?
Dass Jürgen Becker bekloppt ist wissen wir seit seiner Erfindung des Biotops für Bekloppte, dessen vornehmster Bewohner er selbst ist.
Aber ist Jürgen Becker auch reif?
Jürgen Becker würde fragen: reif wofür?
Wenn es nicht die Klapsmühle ist, die er, wie gesagt, schon bewohnt, ist es vielleicht die Insel? Das Kabarett wäre ja eine solche. Wenn sie nicht für Jürgen Becker zu klein wäre. Kabarett schön und gut, aber man muss auch mal einen Witz machen dürfen, lautet seine Devise. Jürgen Becker eignet sich nur bedingt zum Kabarettisten alter Schule. Er erhebt nicht den Zeigefinger, weil er einen bestimmten Weg weisen will. Er weiß nur bestimmt, dass andere mehr wissen als er. Dennoch, oder gerade deshalb gräbt er ständig nach neuen Dingen. Sie fallen ihm aus dem Mund wie seinem Publikum die Schuppen von den Augen. Mit absurden Rück- und Kurzschlüssen entblößt er genüsslich die gesellschaftlichen Zustände, hinterlistig und spitzbübisch. Nichts und niemand ist ihm dabei heilig, schon gar nicht die Kirchen und ihre Fürsten.
Weil für Jürgen Becker Fußball persönlich uninteressant ist, ist Kabarett für ihn die wichtigste Nebensache der Welt. Das lässt ihm Zeit für anderen Krempel, wie er sagt. Jürgen Becker spielt, bastelt und probiert gerne. In jeder Hinsicht. Er kann nichts richtig, das aber sehr gut. Weil er so vieles macht, macht er das Beste draus. Jürgen Becker ist ein überzeugter und überzeugender Dilettant:
Zum Beispiel als rotziger Haudrauf in der Stunksitzung, oder als einsamer Rufer in der Wüste beim Missionswerk rheinischer Frohsinn, dann wieder als unbotmäßiger Frechling beim Dreigestirn Köln Eins, heute als pointensicherer Plauderer in der Frühstückspause, witziger und vielgesichtiger Gastgeber der Mitternachtsspitzen und glänzender Alleinunterhalter in seinen Solo-Programmen.
Jürgen Becker liebt die Menschen wie sich selbst. Er hört ihnen zu, redet niemandem nach dem Mund, sondern schaut allen aufs Maul. Jürgen Becker ist ein Teamarbeiter, in der Arbeit und mit seinen Zuhörern. Er nimmt sein Publikum mit ins Biotop des ganz normalen Wahnsinns. Weil Jürgen Becker das Kabarett nicht überschätzt, macht es so viel und so vielen Spaß, ihm zuzuhören. Das Kabarett des Jürgen Becker ist mehrheitsfähig.
Ist Jürgen Becker also reif für den Prix Pantheon 2006 ?
Was glauben Sie denn?! antwortet die Jury mit dem Titel seines neuen Solo-Programms.
Und er ist bekloppt genug, ihn anzunehmen, obwohl er Kabarett-Preise für Quatsch hält.
Das gab der Jury zwar zu denken, aber es überzeugte sie, dass der Preisträger meint: Das Wichtigste ist das Bier hinterher!
Die Jury des Prix Pantheon
nächste Auftritte im Pantheon:
19.+20.3.2012
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