Es gibt kaum einen aussichtsloseren Versuch, als einen berühmten Dichter mit den richtigen Worten zu rühmen: Jedes Lob hätte den Beigeschmack einer Anmaßung. Jeder Ausdruck der Bewunderung enthielte schwärmerisch pubertäre Züge. Wie albern würde ein Superlativ wie "Robert Gernhardt, der größte lebende deutschsprachige Dichter" klingen. Oder gar "Goethes legitimer Nachfolger" - wahlweise zu ersetzen durch Brecht, Heine oder Lichtenberg. Als ob dem Dichter und seinen Lesern solche Vergleiche weiterhelfen würden. Gernhardt ist Gernhardt. Und der kann noch ganz andere Sachen als Brecht und Heine. Tiere malen zum Beispiel. Seine Texte alleine oder gemeinsam mit Musikern vortragen, seine Stimme verstellen, als ob er einen Sack Kreide gefressen hätte.
Gernhardt zeichnet nicht nur Bisamratten und Bären, Löwen und arme Schweine, sondern ganze Bild-Geschichten und - Gedichte mit dem unverkennbaren Gernhardt-Strich. Darunter die Erläuterungen in seiner Handschrift, von denen man glauben könnte, jemand hätte sie eigens dafür erfunden. Dabei ist es "nur" die Schrift, in der es alles andere schreiben würde, wenn es keine Schreibmaschinen gäbe: Romane und Erzählungen, Satiren und Humoresken, Märchen und Gedichte - "Über alles", wie eines seiner Bücher heißt.
Gernhardt hat sich selbst einmal als jemand bezeichnet, der im "Restaurant zur deutschen Literatur" an einem Nebentisch sitzt. Den Platz hat er sich nicht aus kokettierender Bescheidenheit ausgesucht, sondern weil er von dort aus besser beobachten kann, was an den Haupttischen vor sich geht. Und der 1937 in Reval/Estland geborene Mitbegründer der "Neuen Frankfurter Schule" schaut sehr genau hin, um seine Aufgabe als Satiriker zu erfüllen. dieser dürfe nicht vorschnell urteilen. Andernfalls, so Gernhardt, liefe er Gefahr, gerade das zu übersehen, was die Satire am Leben erhalte: die Voraussetzung zum Erkennen von Widersprüchen zu schaffen. Dass er acht gute Gründe nennt, "warum ich nicht gern Satiriker bin und mich nur ungern als solchen bezeichne", gehört dazu.
Gernhardt und sein Alter ego Arnold Hau kennen dreizehn "Wege zum Ruhm". Einer, der sich schlicht G nennt, vergleicht das Berühmtwerden mit einer Springprozession, wobei ein Schritt nach vorne ihm vor vielen Jahren einen "Schnaps auf Prominentengrundlage" eingebracht hat. Den Prix Pantheon "Reif und Bekloppt" den er hier überreicht bekommt, ist eine von vielen Auszeichnungen, mit denen der Dichter inzwischen bedacht worden ist. Harald Schmidt, sein an gleicher Stelle geehrter Vorgänger, hat einmal gesagt: "Robert Gernhardt ist der Gottvater aller, die in Deutschland schon einmal einen Witz versucht haben. Bei den Autoren meiner Sendung gibt es niemanden, der nicht sagen würde: Gernhardt ist der Größte!" Womit wir doch noch eine trefflich formulierte Begründung für diese Preisverleihung gefunden haben.
Die Jury des Prix Pantheon