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HILDE KAPPES
Preisträgerin des Prix Pantheon 2001
"Frühreif und Verdorben"
(Jurypreis)

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Hilde Kappes erhält den Prix Pantheon 2001
Jurypreis "Frühreif und Verdorben" dotiert mit 7000 DM
Hilde Kappes verblüfft, irritiert und erweitert dramatisch die Hörgewohnheiten ihres Publikums. Sie entlockt dem Klavier völlig neue Töne und musiziert auf Gegenständen, die andere getrost der Abfallverwertung überantworten würden.
Dazu verfügt sie über eine unglaublich wandlungsfähige Stimme und sie beherrscht ein Fantasiesprachengemisch, mit dem sie die verschiedensten Stimmungen, Typen und Kulturen mühelos auf die Bühne zaubern kann.
Die Jury des Prix Pantheon
Als wäre ein Engel zur Hölle verdammt, fällt Hilde Kappes über Jazz, Blues und Chanson, über Weltmusik, Schnulze und Klassik her. Bewaffnet mit klonkenden Plastikflaschen und dröhnenden Abflussrohren, getragen von Stimme und Flügel. Mit heiligem Unernst und großer Menschenliebe reflektiert sie klanglich übers Leben, genussvoll seziert sie dabei die unterschiedlichsten Sprachen. Ihr Humor trifft zielgenau, ohne in Wunden zu bohren und ohne den erhobenen Zeigefinger.
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Es gibt Stimmen, die klingen wie Straßenschluchten. Andere wie ein Bahndamm oder eine Allee. Wieder andere tragen einen dicken Wulst, wie die zwiebligen Türme einer bayrischen Kirche. Manche klingen wie eine Steppe, wie ein ausgehölter Urwald, eine hallweite Pagode.
Die Welt ist groß. Hilde Kappes singt. Sie singt all das "wie", vom Opernhaus über die Varietébühne bis zum Schrottplatz, von Wien über New York bis in die Mongolei, und sie begleitet sich selbst dabei auf dem Klavier und ungebräuchlicheren Instrumenten, einer Wasserflasche, einem Abflussrohr, anderen Fundstücken. Mit Wonne spielt sie mit den Assoziationen und Klischees, flirtet mit der Leichtfertigkeit der Parodie und der Schadenfreude des Wiedererkennens von vertrauten Geräuschen, um schließlich in ihre ureigene, einsame Straße einzubiegen. Hilde Kappes ist eine aufsehenerregende virtuose Sängerin in verschiedenen Zungen. Als würde sie die verschiedenen Singtechniken aufsaugen, erweitert sie ständig ihr Stilspektrum. Einen angemessenen Vergleich gibt es nicht.
Man muß sie vorstellen: Geboren 1964 an der Mosel, als Kind im Kirchenchor gesungen und mit dem Klavierspielen angefangen, später in Wien Rhythmus studiert. Auftritte mit Liederprogrammen und in verschiedenen Jazz- und Improvisationsgruppen. Erste Erfolge Anfang der 90er Jahre in Berlin mit einem Soloprogramm, das alle Zuordnungen und Schubladen sprengt, 1994 erschien ihre erste CD. Im Frühjahr 1998 die zweite, diese.
Seit Hilde Kappes auf eigenen musikalischen Pfaden wandelt, bedient sie sich einer selbstentworfenen Kunstsprache, um ihren Songs einen geographischen Ort zu geben., ohne sie unter die emotionale Knute der Eindeutigkeit realer Worte zu zwingen. Ihr "Schortuanisch" ist flexibel, es kann klingen wie wechselnde Sprachen, wie das Französisch der Chansons, das Chinesisch der Oper, oder das Russisch der Musicals, es kann aber auch einen ganz anderen Charakter annehmen. Neuerdings benutzt sie eine weitere imaginäre Sprache, das weiche, runde "Gelaganisch", das sie zu hymnischen Liedern anreizt. Wichtig an diesen Kunstsprachen ist, dass der Klang ihrer Lautpoesie sich mit dem Wie ihres Gesanges zu einer stimmigen Botschaft verbündet. Das ist wiederum die Sache der Sängerin, die sich auf "Landscapes Of A Voice" die Zeit nimmt, Stimmungen aufzubauen und aufzuspielen, die feingliedrige, undramatische Landschaftsbilder malt von snften Hügellandschaften, vom leichten Wiegen der Halme, von einer weiten Welt voller fliegender Kontraste. Ein gesangliches Weltenpanorama in 20 Einzelbildern.
Stefan Hentz, März 1998 (Text vom CD-Booklet ihrer 2.CD)
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