Wenn einer weiß, wie es drinnen im Mensch ausschaut, dann Georg Ringsgwandl, der Kabarettist und Musiker aus Bayern: Als Kardiologe hat er einst am offenen Herzen operiert, als Künstler seziert er nun den Homo sapiens von außen. Ringsgwandl besitzt den Basilikenblick für die großen und kleinen Leiden der Rasenmäher-Freunde und Lottoglück-Träumer. In seinen Liedern beschreibt er die verzweifelt kämpfende Kreatur, mit erbarmungsloser Freude am entlarvenden Detail und mitleidender Anteilnahme. Er kennt und erkennt traurige Existenzen, er weiß, wie das Leben mit den zu kurz Gekommenen spielt und was "im Zeitalter der Teigbatzn" noch so alles passieren kann.
Frei von ideologischen Einflüssen erlaubt er sich alle erdenklichen Kapriolen: Er springt wie ein Faun über die Bühne, rockt und röhrt, dass das Auditorium erzittert, dreht sich im nächsten Moment um 180 Grad und konfrontiert sein Publikum mit melancholisch stimmenden Texten. Ringsgwandl gehört zu denen, die das bayerische Idiom dazu nutzen, den Kosmos des Stammtischbruders und des Software-Spezialisten, des Gartennazi und der Galeristin vor uns auszubreiten. Und hinter all diesen Gestalten lauert einer, der sich als Gaudibursch vom Hindukusch zu erkennen gibt. Spätestens seit 1989 wissen wir auch, was Trulla Trulla bedeutet und warum wir uns vor Hühnerärschen in Acht nehmen sollten.
In Bayern lobt man ihn wegen seines wurschtigen Witzes und nennt ihn eine Kultfigur. In anderen Landstrichen gilt er als schrill und abgefahren. Dabei ist Ringsgwandl alles andere als ein schillernder Paradiesvogel, sondern ein Gesamtkunstwerk, dessen inhaltlicher Tiefgang erst in Kombination mit der äußeren Erscheinung zum Vorschein kommt. Mit weißblonder Perücke, seltsamen Hutkreationen inklusive Ohrenschützern auf dem Kopf, denkt man unwillkürlich an einen Besucher von einem anderen Stern. Doch weit gefehlt: hier steht einer, der die ganz normale Absurdität des Alltags kennt ein Gegenentwurf zu all jenen, die ängstlich durchs Leben huschen.
Die Jury des Prix Pantheon zeichnet mit Georg Ringsgwandl einen Musik-Kabarettisten aus, der sich einen Teufel um die gerade herrschenden Moden schert: einer, der aufrecht auf dem doppelten Boden der Moral steht und sich dort seine eigene Heimat geschaffen hat. - Ob in Bayern oder Bonn macht da kaum einen Unterschied.
Die Jury des Prix Pantheon